Donnerstag, 16. Juli 2015

Opa Hellseher



Die zweite Nacht in Nafpactos war zwar nicht ruhiger, aber wir hatten uns alle mit Ohrstöpsel und Baldrian versorgt. So schliefen wir selig, bis ein dumpfer Schlag uns aus dem Schlaf riss. Oma Frühaufsteherin, wollte sich von Bord schleichen, um ihren Morgensport auszuüben. Da die Gangway zu kurz war, diente uns das Beiboot als Brücke an Land. Oma sprang mit Schwung ins Dinghi, kippte um und fiel ins verschmutzte Hafenbecken. Zwischen leeren Plastikflaschen und Mülltüten tauchte sie wieder auf und der Türke auf dem Nachbarboot verzog sich unter Deck zum Lachen. Opa Hellseher, hatte das schon lange kommen sehen!!
Schneller als sonst lief Oma zum Strand und tauchte ab. Opa legte sich wieder schlafen. Wir frühstückten, wie immer fürstlich und bereiteten uns schon mental auf das Ablegemanöver vor. In der Zwischenzeit verließen die anderen beiden Yachten gekonnt den Hafen. Gut für uns, dann hatten wir Platz.
Vor dem Ablegen ging Opa mit Toni und mir zu den fischenden Jungs an den Strand. Heute Morgen hatten sie ihm ihren Fang bereits präsentiert. Sie zeigten auch uns ihre Fische. Ein großer grauer und ein langer dünner Fisch mit einem spitzen Sägezahn nach vorne. Sie nannten ihn Sarga.
Gestern hatte sich Antonia einen Angelhaken in ihren Badeschuh getreten. Heute fand Opa eine passende Perlonschnur dazu. Daraus bastelten wir uns eine Angel. Als wir nach unserem problemlosen Ablegemanöver vor Nafpactos für einen kurzen Badestopp ankerten, versuchten wir mit Brotresten Fische anzulocken. Allerdings ohne Erfolg. Wir müssen noch an unserer Taktik arbeiten. Am Abend wird es mal wieder Nudeln geben.
Nach der kurzen Abfrischung fuhren wir Richtung Messalongi. Der Wind kam direkt von hinten, allerdings zu stark, um mit dem Genakker zu segeln. So ließen wir uns von der Genuar schieben, während ich nochmal das Zeichnen von Rechtecken und Quadraten wiederholte.
Danach spielte Opa mit mir unser gestern begonnenes Monopoly weiter. Ich war längst bankrott, weil Opa seine Schulden nur noch in Straßen zahlen konnte. Aber auf dem Frei-parken-Feld stapelte sich das Geld: die Rettung. Als Toni für Opa würfelte, ging ein Aufschrei durchs Schiff. Opa bekam den Geldregen und küsste seine Glücksfee. Es konnte ihn aber nicht retten, sondern verlängerte nur sein Leiden. Eine extreme Schräglage beim Segeln, so hoffte er, hätte ihn aus seiner Misere retten können. (Die Hotels sollten dabei auf seine drei Straßen rutschen.)
Erst eine Stunde vor Ankunft setzten wir unser Großsegel. Opa fuhr eine Wende nach der anderen – nicht immer gewollt. Oma lag müde herum und verpasste ihren Einsatz beim Wenden. Als Kapitän Papa begeistert seine Mannschaft zum Manövertraining aufforderte, wurde sein Vorschlag einstimmig abgelehnt. Wir sehnten uns nach Wasser. Von Abkühlung war aber keine Spur, das Brackwasser in der Ankerbucht vor der Marina hatte Badewannentemperatur (mindestes 25 Grad). Nach einer halben Stunde stiegen wir runzlig heraus. Kurz darauf sprangen Toni und ich wieder ins Wasser. Diesmal kletterten wir über die Reeling, hüpften als Kerze an der Seite der Mona Liesa ins Wasser und schwammen zurück. Das machte Riesenspaß. Erst als das Abendessen fertig war, gingen wir widerwillig aus dem Wasser.  
Heute gab es Nudeln mit Auberginen und Tomatensoße. Lecker!
Mama machte auf dem Vorschiff Yoga. Als Toni zu ihr nach vorne kam, tauchte plötzlich eine schwarze Flosse neben dem Schiff auf, danach ein schwarzes Brett  und zum Schluss ein Köpfchen. "Pfpfpf", hörten wir. Dann war das etwas wieder verschwunden. Alle kamen an Deck und richteten ihre Augen gespannt auf das Wasser. "Da ist es wieder", rief Mama. Einige Male entdeckten wir das Tier. Bis es leider verschwand. Opa vermutete, dass es ein Seelöwe oder eine Robbe sei. 
Auf einen Landgang verzichteten wir heute, denn die häßliche Marina hatten wir ohnehin schon gesehen und bis in die Stadt war es uns zu weit. Außerdem waren wir ja die letzten beiden Tage mitten im Getümmel und Ruhe tat uns gut. So begann ich mit Opa ein neues Monopoly - er forderte mich zur Revanche heraus. Toni und Mama genossen den Sonnenuntergang auf dem Vorschiff, während der Rest der Crew las. Wir gingen früh ins Bett, denn Morgen wartete eine lange Fahrt auf uns. 

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