Pünktlich
um 10 Uhr stand Papa vor der Tür des Autovermieters. Ich durfte ihn mit dem
Beiboot an Land bringen. Mama und Antonia blieben noch an Bord, um
fertigzupacken und aufzuräumen. Papa wollte schon die Formalitäten erledigen,
damit wir dann gleich los konnten.
Ein
silberner Chevrolet, sogar mit Kindersitzen, war unser Racer für diesen Tag.
Anfangs kamen mir 40 km/h schon schnell vor, scheinbar war ich das Autofahren
nicht mehr gewöhnt.
Nach einer
halben Stunde erreichten wir die Melissáni-Höhle. Mit einem Ruderboot fuhren
wir durch die nach oben hin offene Höhlenkammer. Das Wasser war glasklar und hatte
viele verschiedene Blautöne. Der Fremdenführer erklärte uns, dass es ein Gemisch
aus Süß- und Salzwasser ist (Brackwasser). Ein unterirdischer Fluss gelangt
hier ins Meer. Wir fuhren durch einen schmalen Tunnel ins Höhleninnere. Dort
sahen wir Stalagmiten in unterschiedlichsten Formen. Der Ruderer pfiff ein
Liedchen für uns, um uns die tolle Akustik der Höhle zu vermitteln. Die
Höhlendecke ist an der dünnsten Stelle nur 3 Meter, weil ein riesiger Brocken
hier heruntergebrochen war. Diese Vorstellung machte mir etwas Angst. Aber Papa
beruhigte mich. Er meinte, wenn es gefährlich wäre, würden sie hier keine
Touristen rumschippern. Leider dauerte die Besichtigung nur eine halbe Stunde
und kostete 18 € für die ganze Familie.
Ganz in der
Nähe gab es noch eine Tropfsteinhöhle, die wollten wir natürlich auch noch
sehen. Die Drongaráti-Höhle in der Nähe von Sami befindet sich mitten in einem
Olivenhain. Fünf griechische Beamte sitzen am Eingang, die erste Dame verkaufte
uns die Karten, die zweite stempelte sie ab und die restlichen drei spielten
mit ihren Handys. Auf steilen Treppen ging es in die Höhle hinunter. Der
Teppich war von dem herabtropfenden Wasser komplett durchnässt und der Blick
vom Höhleneingang einfach beeindruckend. Auf einem Rundweg durch die Höhle
sahen wir verschiedenste Stalaktiten und Stalakmiten. Das Salzwasser tropft
herunter und wird zu Stein. Es fühlt sich kalt und hart an. Die ganze Höhle
leuchtete in einem warmen Gelbton. Es war bezaubernd. In der Tropfsteinhöhle
war es angenehm kühl. Doch als wir das Tagelicht wieder erblickten, schlug uns
die Hitze auch schon entgegen. Wie gut, dass es ein Restaurant mit Pool gab.
Toni bekam ein Eis und ich suchte mir einen Schokodonut aus. Dann sprangen wir
in den Pool. Ich weihte meine Flossen richtig ein und Toni übte sich im Schnorcheln.
Gegen 13
Uhr stiegen wir ins Auto und fuhren weiter Richtung Myrtos-Beach, der schönste
und bekannteste Strand auf Kefalonia. Auf zahlreichen Postkarten hatten wir ihn
schon gesehen, jetzt wollten wir uns von seiner natürlichen Schönheit überzeugen.
Kurz vorm Strand hielten wir an einer netten Taverne und aßen ein paar griechische
Vorspeisen zu Mittag. Schon der Blick aus der Entfernung war gigantisch: weißer
Sand und türkis leuchtendes Wasser. Papa stoppte und Mama schoß einige Fotos
von oben. Wir hatten Glück, kurz vor uns verließ jemand sein Plätzchen mit
Sonnenschirm und Liegestühlen. Das schnappten wir uns und ich stürzte mich
sofort in die Wellen. Ich schnorchelte am Strand entlang Richtung Felswand. Das
Wasser war klar, aber Fische gab es kaum. Als ich am Ende des Strandes ankam,
war ich völlig erschöpft, doch dann entdeckte ich etwas Geheimnisvolles. Der
Felsen vor mir war ausgehöhlt und es saßen ein paar Leute dort. Ich ging
vorsichtig hinein und entdeckte, dass Wasser drinnen war und man nach draußen
schwimmen konnte. Dann lief ich so schnell ich konnte zurück und holte den Rest
meiner Familie. Gemeinsam schwammen wir von der Höhle nach draußen ins Meer.
Das gab es viele Fische, allerdings keine besonders bunten. Wir machten noch
einige Fotos und dann fuhren wir weiter nach Assos. Die Straße führte über hohe
Berge und war kurvenreich. Zwischendrin musste Papa immer wieder bremsen, weil
Ziegen über die Fahrbahn spazierten.
Als wir
nach 45 Minuten (für 18 km Strecke, d.h. 24 km/h) in Assos ankamen, waren wir
alle müde und hungrig. Wir gingen einmal die Hafenpromenade entlang und setzten
uns dann in eine einfache Taverne. Dort bestellten wir uns einfache griechische
Gerichte. Mein Lieblingsgericht ist Beef Stifado, eine Art Gulasch. Mama
testete die gefüllten Tomaten und Papa entschied sich für Suvlaki. Heute waren
wir zweimal Essen für nur 60€. Zur Festung von Assos stiegen wir nicht mehr
nach oben, es war einfach schon zu spät und Papa wollte zurück zum Schiff.
Nachdem wir
unseren Mietwagen zurückgegeben hatten, ging Papa noch nebenan in den
Frisörsalon. In der Zwischenzeit kauften wir für Antonia Flossen. Sie hatte
solange gebettelt, bis Mama nachgegeben hatte. Danach holten wir Papa im
Frisörsalon ab. Bis Papa fertig war, bekamen wir einen Schnellkurs in
Griechisch. Um 21:30 Uhr waren wir zurück auf der Mona Liesa. Es war ein
langer, aber spannender Tag. Doch ich konnte noch nicht ahnen, was für eine
schreckliche Nacht auf mich zukam.
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