Dienstag, 7. Juli 2015

Höhlentag



Pünktlich um 10 Uhr stand Papa vor der Tür des Autovermieters. Ich durfte ihn mit dem Beiboot an Land bringen. Mama und Antonia blieben noch an Bord, um fertigzupacken und aufzuräumen. Papa wollte schon die Formalitäten erledigen, damit wir dann gleich los konnten.
Ein silberner Chevrolet, sogar mit Kindersitzen, war unser Racer für diesen Tag. Anfangs kamen mir 40 km/h schon schnell vor, scheinbar war ich das Autofahren nicht mehr gewöhnt.
Nach einer halben Stunde erreichten wir die Melissáni-Höhle. Mit einem Ruderboot fuhren wir durch die nach oben hin offene Höhlenkammer. Das Wasser war glasklar und hatte viele verschiedene Blautöne. Der Fremdenführer erklärte uns, dass es ein Gemisch aus Süß- und Salzwasser ist (Brackwasser). Ein unterirdischer Fluss gelangt hier ins Meer. Wir fuhren durch einen schmalen Tunnel ins Höhleninnere. Dort sahen wir Stalagmiten in unterschiedlichsten Formen. Der Ruderer pfiff ein Liedchen für uns, um uns die tolle Akustik der Höhle zu vermitteln. Die Höhlendecke ist an der dünnsten Stelle nur 3 Meter, weil ein riesiger Brocken hier heruntergebrochen war. Diese Vorstellung machte mir etwas Angst. Aber Papa beruhigte mich. Er meinte, wenn es gefährlich wäre, würden sie hier keine Touristen rumschippern. Leider dauerte die Besichtigung nur eine halbe Stunde und kostete 18 € für die ganze Familie.
Ganz in der Nähe gab es noch eine Tropfsteinhöhle, die wollten wir natürlich auch noch sehen. Die Drongaráti-Höhle in der Nähe von Sami befindet sich mitten in einem Olivenhain. Fünf griechische Beamte sitzen am Eingang, die erste Dame verkaufte uns die Karten, die zweite stempelte sie ab und die restlichen drei spielten mit ihren Handys. Auf steilen Treppen ging es in die Höhle hinunter. Der Teppich war von dem herabtropfenden Wasser komplett durchnässt und der Blick vom Höhleneingang einfach beeindruckend. Auf einem Rundweg durch die Höhle sahen wir verschiedenste Stalaktiten und Stalakmiten. Das Salzwasser tropft herunter und wird zu Stein. Es fühlt sich kalt und hart an. Die ganze Höhle leuchtete in einem warmen Gelbton. Es war bezaubernd. In der Tropfsteinhöhle war es angenehm kühl. Doch als wir das Tagelicht wieder erblickten, schlug uns die Hitze auch schon entgegen. Wie gut, dass es ein Restaurant mit Pool gab. Toni bekam ein Eis und ich suchte mir einen Schokodonut aus. Dann sprangen wir in den Pool. Ich weihte meine Flossen richtig ein und Toni übte sich im Schnorcheln.
Gegen 13 Uhr stiegen wir ins Auto und fuhren weiter Richtung Myrtos-Beach, der schönste und bekannteste Strand auf Kefalonia. Auf zahlreichen Postkarten hatten wir ihn schon gesehen, jetzt wollten wir uns von seiner natürlichen Schönheit überzeugen. Kurz vorm Strand hielten wir an einer netten Taverne und aßen ein paar griechische Vorspeisen zu Mittag. Schon der Blick aus der Entfernung war gigantisch: weißer Sand und türkis leuchtendes Wasser. Papa stoppte und Mama schoß einige Fotos von oben. Wir hatten Glück, kurz vor uns verließ jemand sein Plätzchen mit Sonnenschirm und Liegestühlen. Das schnappten wir uns und ich stürzte mich sofort in die Wellen. Ich schnorchelte am Strand entlang Richtung Felswand. Das Wasser war klar, aber Fische gab es kaum. Als ich am Ende des Strandes ankam, war ich völlig erschöpft, doch dann entdeckte ich etwas Geheimnisvolles. Der Felsen vor mir war ausgehöhlt und es saßen ein paar Leute dort. Ich ging vorsichtig hinein und entdeckte, dass Wasser drinnen war und man nach draußen schwimmen konnte. Dann lief ich so schnell ich konnte zurück und holte den Rest meiner Familie. Gemeinsam schwammen wir von der Höhle nach draußen ins Meer. Das gab es viele Fische, allerdings keine besonders bunten. Wir machten noch einige Fotos und dann fuhren wir weiter nach Assos. Die Straße führte über hohe Berge und war kurvenreich. Zwischendrin musste Papa immer wieder bremsen, weil Ziegen über die Fahrbahn spazierten.
Als wir nach 45 Minuten (für 18 km Strecke, d.h. 24 km/h) in Assos ankamen, waren wir alle müde und hungrig. Wir gingen einmal die Hafenpromenade entlang und setzten uns dann in eine einfache Taverne. Dort bestellten wir uns einfache griechische Gerichte. Mein Lieblingsgericht ist Beef Stifado, eine Art Gulasch. Mama testete die gefüllten Tomaten und Papa entschied sich für Suvlaki. Heute waren wir zweimal Essen für nur 60€. Zur Festung von Assos stiegen wir nicht mehr nach oben, es war einfach schon zu spät und Papa wollte zurück zum Schiff.
Nachdem wir unseren Mietwagen zurückgegeben hatten, ging Papa noch nebenan in den Frisörsalon. In der Zwischenzeit kauften wir für Antonia Flossen. Sie hatte solange gebettelt, bis Mama nachgegeben hatte. Danach holten wir Papa im Frisörsalon ab. Bis Papa fertig war, bekamen wir einen Schnellkurs in Griechisch. Um 21:30 Uhr waren wir zurück auf der Mona Liesa. Es war ein langer, aber spannender Tag. Doch ich konnte noch nicht ahnen, was für eine schreckliche Nacht auf mich zukam.  

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