Sonntag, 5. Juli 2015

Braver Aragon!

Heute Morgen begleiteten Toni und ich Papa zur Bäckerei. Wir konnten ihn überreden Apfelstrudel zu kaufen. Das erinnerte uns an Kroatien, da gab es immer einen Mann, der mit seinem Boot die Yachten mit frischem Brot und „Abfallstrodel“ belieferte. Anfangs konnte er es nicht richtig aussprechen. Er sagte Abfall anstatt Apfel, dass hörte sich lustig an. Schon aus diesem Grund wollten wir ihn immer essen. Die Griechen können übrigens auch guten Apfelstrudel machen - wir hatten zu wenig gekauft.
Nach dem Frühstück ging Mama noch eine Runde joggen, wir halfen Papa den Abwasch zu erledigen. Um 10:30 Uhr waren wir dann zum Ablegen bereit. Heute wollten wir nach Fiscárdo auf Kephalonia. Der Franzose, den wir ständig treffen, findet das Städtchen wunderschön. Davon wollen wir uns selbst überzeugen. Die erste Stunde fuhren wir unter Motor, um unsere Batterien zu laden. Mittags kommt hier immer der Wind auf, so setzten wir die Segel und kreuzten nach Kephalonia auf. Es hat Spaß gemacht zu sehen, dass wir nicht die Langsamsten waren. Unser Anker fiel um 13:15 Uhr in Fiscárdo im nördlichen Teil der Bucht. Ein Engländer, der kurz vor uns festgemacht hat, half uns die Heckleine festzumachen. Die Unterstützung brachte unseren eingeschwungenen Ablauf etwas durcheinander. Es klappte aber trotzdem.
Auf der Jagd nach Fischen, die um unserer Boot kreisen.
Im Anschluss an unsere Manöver gab’s eine Brotzeit – danach Badespaß im kristallklaren Wasser! Leider musste ich dann bei größter Hitze unter Deck meine Schularbeiten machen. 
Am späten Nachmittag erkundigten wir das kleine Inseldörfchen. Die grünen, gelben und blauen Fensterläden an den alten Hausfassaden sind richtige Farbtupfer im idyllischen Hafen. Jedes Haus ist schön verputzt und gestrichen, sogar verfallene Häuser haben zumindest außen Farbe bekommen. Direkt im Ortskern gibt es ein wirklich schickes kleines Hotel – ein Geheimtipp für Landratten.  Hier ist alles viel sauberer, man merkt, dass die Leute sich um ihren Ort kümmern. Die zahlreichen Geschäfte verkaufen nicht nur den üblichen Ramsch, es gibt auch schönes Kunsthandwerk. Mama hat sich in große Frauen in bunten Kleidern aus Ton verliebt. Leider lies die Verkäuferin nicht mit sich handeln. Der Franzose hatte Recht – selber lag er an der Mole.
Eine Seitengasse in Fiscardo - alle Häuser sind bunt.
Auf dem Rückweg pinkelte ein Hund an das Werbeschild eines Bootsverleihers. Mama rief entsetzt: „Schaut mal, der Hund macht an das Schild!“ Daraufhin lobte die Hundebesitzerin ihren Hund: „braver Aragon!“. So kamen wir ins Gespräch mit der älteren Grazerin. Sie erzählte uns, dass sie dieses Jahr zum ersten Mal auch den Winter hier verbrachte. Außer einem Supermarkt ist um diese Jahreszeit alles ausgestorben. Nach dem netten Plausch durften die Kinder Aragon noch ein Leckerli geben.
Zurück an Bord kochte Mama Spaghetti Norma. Im Anschluss wanderten Mama und ich zum alten venezianischen Leuchtturm und einer Kirchenruine aus dem 6. Jhd.. Laut Hinweistafel hätte die Wanderung 30 Minuten gedauerte, ich hatte jedoch noch so viel Energie, dass wir nach 15 Minuten zurück beim Schiff waren.
Als meine Schwester und ich schon im Schlafanzug waren, ging direkt hinter uns in Nicolas Taverne die Party los. Mit lauter Musik und Diskobeleuchtung tanzte der Tavernenbesitzer mit seinen Gästen Sirtaki. Mama und Papa waren ganz entspannt, weil ihnen die Grazerin erzählt hatte, dass der Touristennepp nur eine Viertelstunde dauert. Wir hörten kurz zu, dann verschwanden wir in unseren Kojen, weil uns die Musik sowieso nicht gefiel.
Abendstimmung in der Bucht von Fiscardo.

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