Mittwoch, 8. Juli 2015

Odysseus Heimatstadt



Mama ging heute Morgen schon um 8:30 Uhr zum Einkaufen an Land. Wir brauchten frisches Obst, Brot und Fleisch. In Euphemia gab es sogar eine Metzgerei. Nach dem Frühstück war Aufräumen und Schiffsputz angesagt. Papa schrubbte mal wieder das Schiffsdeck. Beim Abspülen ging Mama das Wasser aus: Mist, jetzt war auch unser zweiter Tank leer. Die Wassersparmaßnahmen (mit Salzwasser vorspülen, mit Süßwasser nachspülen) reichten nicht, um bis zum nächsten Hafen durchzuhalten. Gut, dass wir unseren Campingwasserbehälter mit 10 Liter dabei haben. Papa fuhr noch schnell an den Steg, um ihn zu befüllen.
Es war schon wieder Mittag, als wir den Anker lifteten und Richtung Vathi auf Ithaka ablegten. Laut Homer war dies die Heimatstadt Odysseus. Während der Überfahrt erledigte ich meine Mathearbeiten. Das Meer war heute ganz glatt, keine Wellen, aber auch kein Wind. So konnte ich an Deck gut rechnen, quasi ein Klassenzimmer im Freien. Toni und Mama gingen nach unten, um Vorschule zu machen.
Gegen 13:30 Uhr änderte Papa seinen Kurs, er wollte sich die Meerenge von Pera Pigadi ansehen. Es war bezaubernd hier: eine riesige Fläche türkis schimmerndes Wasser. Der ideale Ort für eine Mittagspause mit Badespaß. Außerdem zeigte das  Thermometer an Deck im Schatten 32 und in der Sonne 45 Grad an. Eine Abfrischung konnten wir alle gut gebrauchen. Schnell willigte Papa ein und wir ließen den Anker fallen. Mama warf die Ankerboje ins Wasser, doch plötzlich war sie untergetaucht. Der Anker lag zu tief für die Leine, wir mussten sie bergen und ein zweites Mal ankern. Zum Glück überlebte die Boje – sie ist wirklich robust, hatte schon einiges aushalten müssen (Leider auch schon etwas abgerissen.) Das Wasser war nicht nur klar, sondern auch wärmer als sonst. Zahlreiche Fische lebten hier zwischen den Unterwasserfelsen. Wir entdeckten einen grünen Fisch, ohne Schwanz mit seitlichen Flossen, die wie Arme aussahen. Um die Augen schimmerte er rot. Ein sonderbares Exemplar.
Nach dem Mittagessen legten wir wieder ab und fuhren weiter. Zum Segeln reichte der Wind immer noch nicht. Nachmittags las ich in meinem Buch „Tintenblut“ von Cornelia Funke weiter. Bin schon wieder auf Seite 180. Es ist genauso spannend, wie der erste Band. Momentan erarbeitete ich mir Smileys für den 3. Band.
Um 16:15 Uhr erreichten wir schließlich die Einfahrt nach Vathi. Odysseus Heimatstadt sah wirklich schön aus. Die bunte Häuserfassade leuchtete in der Nachmittagssonne. Mitten in der Bucht gab es eine kleine Insel, wie ich im Reiseführer gelesen habe, diente sie früher als Quarantäneinsel. Um 16:40 Uhr schaltete Papa den Motor ab. Jetzt, als wir unser Ziel erreicht hatten kam Wind auf. Innerhalb kürzester Zeit waren es bis zu 3 Windstärken, die Böen erreichten sogar 22 Knoten. Unser Anker hielt bombenfest, er hatte sich gut im Sand eingegraben. Vor dem Abendessen musste ich noch eine Lektion Deutsch machen, Toni und Papa spielten in der Zwischenzeit „Geistesblitz“.
Wir aßen heute früher zu Abend, denn wir wollten unbedingt noch Odysseus Städtchen besichtigen. Der Wind hatte sich derweil wieder beruhigt, die Fahrt mit dem Beiboot war trotzdem eine nasse Angelegenheit. Das einzige, was wir von Odysseus entdecken konnten, war eine mickrige Statue, die es tausendfach nebenan in einem Souvenirladen zu kaufen gab. Ansonsten war es brütend heiß und ziemlich fade hier. Wir kauften noch Brot für Morgen und dann fuhren wir zurück zur Mona Liesa.
Im Dunkeln sprangen wir alle noch einmal ins Wasser, um uns für die Nacht abzukühlen. Ich musste mich etwas überwinden, aber als ich im Wasser war, fand ich es einfach nur cool! Die Thermometer in den Kabinen zeigten 29 Grad an. Die Hitze tagsüber und die Fahrt mit dem Motor hatten die hinteren Kojen aufgeheizt. Mama und Papa überließen uns ihre Kabine, weil es dort etwas kühler war. Außerdem wollten sie Morgen früh losstarten und vorne kann man bei laufendem Motor besser weiterschlafen.

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