Mittwoch, 29. Juli 2015

Joe und Babsi an Bord






Als ich um 6:30 Uhr aufwachte, um auf die Toilette zu gehen, hörte ich ein merkwürdiges Geräusch. Ich ging an Deck und sah eine ganze Horde Ziegen. Sie waren scheinbar auf der Suche nach Fressbarem. Anschließend legte ich mich wieder in die Kabine und schlummerte noch bis 9 Uhr weiter. Gestern Abend war es ja ziemlich spät geworden.
Schon vor dem Frühstück sprangen wir gemeinsam ins Wasser. Das ist ein tolles Gefühl, aus der aufgeheizten Koje ins kühle Nass zu springen. Du meinst direkt, dass es zischt auf deiner Haut, so erfrischend ist das. Ich werde diesen Luxus bestimmt vermissen, wenn ich wieder zu Hause bin.
Zum Frühstück aßen wir heute eine große Schüssel Obstsalat und Müsli. Unser Brot mussten wir für Mittag aufsparen, denn Einkaufsmöglichkeiten wird es die nächsten zwei Tage nicht geben.
Wasserschlacht auf Pera Pegadi
Nach dem Frühstück verzogen wir vier uns ins Lager - die letzten Vorbereitungen für die Wasserschlacht. Den Wasserrucksack und einen Eimer zum Nachladen mussten wir noch parat legen. Die Erwachsenen diskutierten in der Zwischenzeit an Bord der Mona Liesa unsere Reiseroute für die nächsten Tage. Selbst Schuld, wenn sie denken sie müssten sich nicht vorbereiten. Nach mehrmaliger Aufforderung kamen sie schließlich mit läppischen vier Wasserflaschen. Der Kampfschrei unserer Väter war ganz beachtlich, aber mit ihren Waffen hatte sie trotzdem keine Chance gegen uns – wir waren taktisch gut vorbereitet. Unsere Festung bot einen super Schutz, so dass die Munition der Angreifer schnell verschossen war und wir fast trocken blieben. Nach nicht einmal 5 Minuten mussten sie sich tropfnass ergeben.
Vor dem Ablegen befreiten wir unser Schiff von den kleinen weißen Sandkörnern, die wir vom Steg an Bord schleppten. Die doppelte Schmutzbariere mit Wassereimer zur Fußreinigung und Fußabstreifer funktionierte nicht so wie geplant. Das Zeug verteilte sich einfach. Gegen 11 Uhr konnten wir schließlich auslaufen. Babsi und Joe durften heute bei uns an Bord mitsegeln, weil schwacher Wind aus Nord-West angesagt war. Dem war aber nicht so, es blies bereits gewaltig, als wir aus der Abdeckung der Insel fuhren. Bis zu 28 Knoten Wind raumschots maß unsere Bordelektronik. Das bedeutete gereffte Segel, starke Krängung und die Wellen schlugen übers Vorschiff. Mama war heilfroh, dass wir Kinder uns die Zeit unter Deck vertrieben. Wir erzählten uns Witze und wer lachte, musste einmal ohne sich festzuhalten durchs Schiff gehen. Eine große Herausforderung bei diesem Seegang.
Einmal kam Mama kurz nach unten und versorgte uns mit Getränken und Knabbereien. Sie verschwand aber ganz schnell wieder, denn ihr wurde übel. Sie konnte gar nicht glauben, dass uns bei der Hitze und Schaukelei nicht schlecht wurde. Wir sind halt richtige Seebären - wie Waggerl uns immer nennt.
Lunchtime nach rauschender Fahrt
Kurz vor Atokos spritzt es plötzlich durch die Deckenluke. Schnell verschlossen wir alle noch offenen Fenster und setzten uns an Deck. Mama legte für alle Schwimmwesten bereit. Ich musste mich ganz schön einspreitzen bei der Schräglage, aber die bequemeren Plätze in Lee waren schon besetzt.  Als wir in  Atokos eintrafen, kreisten schon einige Schiffe wild durcheinander in der Bucht. Die Suche nach einem Ankerplatz wurde durch den böigen Wind zur Herausforderung. Papa wollte sich das nicht antun, so verließen wir das schöne Plätzchen und warteten etwas weiter nördlich auf Markus und Gabi. Das war kein schlechter Plan, denn es war schön und ruhiger hier. So entschied Kapitän Papa kurzerhand den Anker zu werfen und einen Badestopp einzulegen. Mama blieb zur Sicherheit an Bord und bereitete einen kleinen Mittagssnack vor. Bei der Gelegenheit kehrten Babsi und Joe auf die Penelope zurück, denn Papa und Mama wollten bei diesem Wind nicht weiter die Verantwortung für vier Kinder übernehmen.
Die weitere Überfahrt nach Kastos dauerte knapp eine Stunde. Allein mit der Genua schafften wir 6 Knoten Geschwindigkeit. Mama übernahm das Ruder - die beste Medizin gegen Seekrankheit, denn Raumschotskurs bei diesem Wellengang ist nur etwas für echte Seemänner. In der Bucht legten wir mit Anker und Heckleine an. Papa fühlte sich nicht wirklich wohl mit der Ankersituation. Genau hinter uns gab es einen Unterwasserfelsen, der unserem Ruder gefährlich werden konnte. Nach dem Erlebnis in Hvar, ist Papa immer besonders vorsichtig.
Nach einer Runde baden, machte sich Mama an die Vorbereitung des Abendessens. Wir waren heute schon sehr hungrig. Zur Auswahl gab es Carbonara oder Putanesca. Toni und ich entschieden uns für ersteres. Während Toni Mama beim Kochen half, vertiefte ich mich noch einmal in mein Buch. Am liebsten würde ich die letzten Kapitel lesen, weil ich die Spannung kaum aushalten kann. Aber Mama riet mir davon ab, als ich ihr später beim Abwasch half.
Den Abend verbrachten wir alleine auf der Mona Liesa, denn zwischen uns und den Pavics ankerte noch ein anderes Schiff. Außerdem hatte sich Johannes heute beim Segeln seinen großen Zeh blau geschlagen, deshalb blieb er lieber an Bord. Mama und Toni übten auf dem Vorschiff Yoga, während Papa und ich an unseren Büchern weiterlasen. Gegen 21:30 Uhr verschwand ich dann in meiner Koje – segeln macht ziemlich müde.   

Die Penelope neben uns am Ankerplatz


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