Sonntag, 12. Juli 2015

Delphi - eine Frau verarscht die ganze Welt



Theater von Delphi - ein atemberaubender Anblick


Trotz der unruhigen Nacht, schafften wir alle pünktlich aufzustehen. Papa lief durch die halbe Stadt, um Brot von gestern zu kaufen. Kein Geschäft war geöffnet, weil gestern alle feierten. Als wir noch gemütlich beim Frühstück saßen, kamen schon unsere Taxis (20 Minuten zu früh) angefahren.
Pünktlich um 9 Uhr stiegen wir ein und fuhren Richtung Delphi. Die Straße zum historischen Mittelpunkt der Erde war perfekt ausgebaut, nicht vergleichbar mit den Straßen auf Kefalonia. Das Heiligtum von Delphi befand sich an den gewaltigen Abhängen des Parnass-Massivs oberhalb einer fast 200 Meter tiefen Schlucht.
Um 9:45 Uhr starteten wir unseren Rundgang in der Ausgrabungsstätte. Die heilige Straße führte uns hinauf zum Apollotempel. Unglaublich, dass schon 2000 Jahre vor Christus eine einzige Frau die gesamte Menschheit verarschte. Phytia bereitete sich auf ihre Wahrsagung vor, indem sie geheiligtes Wasser trank und Lorbeerblätter kaute. Danach inhalierte sie Dämpfe aus dem Erdinneren und gelangte in einen rauschähnlichen Zustand. Nachdem die „Klienten“ ein Tier geopfert hatten, konnten sie Phytia befragen. Sie beantwortete weltbewegende Fragen, die sogar Kriege auslösten. Der Apollotempel, in dem dieses Ritual stattfand, war der Mittelpunkt der Ausgrabungsstätte.
Weiter den Berg hinauf, gelangten wir zum Theater. Auf 35 Sitzreihen aus weißem Marmor, der jetzt grau gefärbt war, konnten früher 5000 Menschen sitzen. Der Blick nach unten war beeindruckend. Aber am besten gefiel mir das gut erhaltene Stadion, das man leider nicht mehr betreten darf. Opa wollte schon die Aufseherin bestechen, damit Toni eine Runde im Stadion drehen konnte („20 € for an historical photo.“). Aber als eine Besucherin die Absperrung überstieg, pfiff die junge Frau energisch in ihre Trillerpfeife. Da traute sich Opa nicht mehr.
Zum Abschluss besuchten wir das 2004 neu eröffnete historische Museum der Ausgrabungsstätte. Hier kann man ausschließlich Fundstücke aus und um Delphi sehen, z. B. Torsen, Sphinx, Reste dorischer Säulen, in Stein gemeißelte Bilder von Schlachten und den weltberühmten Wagenlenker (Bronzestatur).
Zur Mittagszeit brachte uns der perfekt englisch sprechende Taxifahrer wieder zurück. Während der Fahrt erzählte er voller Begeisterung von Olivenbäumen, Bergen und der Wasserversorgung Athens. Zurück an Bord, kochten Oma und Mama Champingonomlette, weil wir alle ziemlich hungrig waren.
Gleich nach dem Mittagessen gingen Toni und ich mit Opa und Oma zum Stadtstrand, während Papa und Mama das alte Beiboot im Rumpf der Mona Liesa verstauten. Doch der Badespaß dauerte nicht lange, denn der DJ nervte uns mit seiner übertrieben lauten Musik. Wieder setzten wir uns ins Kaffee gegenüber und tippten unseren Blog. (Falls es noch Leser gibt, würden wir uns über Feedback freuen.)
Nach der Arbeit kam das Vergnügen. Ich konnte Papa überreden mich auf dem Boogiboard hinter unserem Beiboot herzuziehen. Es gelang mir heute schon nach kurzer Zeit auf dem Brett zu stehen. Allerdings musste Papa große Kurven ziehen, damit auf dem Seil genügend Zug war.
Als wir zurück zum Schiff kamen, boten uns die amerikanischen Nachbarn ihr Kajak zum Paddeln an. Wir mussten die Sitzpositionen zweimal und auch das Paddel tauschen, bis wir in Frieden miteinander vorwärts kamen. Zum Schluss übernahm Papa als Taktgeber das Kommando. 
Abendessen gab es heute an Bord. Die Reste des Grilltellers mussten weg und aus den leckeren Tomaten zauberten wir Bruscetta. Bevor wir mit dem Tabu-Spiel beginnen konnten, bemerkte Papa, dass ich von unserer Petroleumlampe den Docht zu weit nach unter gedreht hatte. Zum Glück konnten wir sie mit Pinzette und alten Schrauben wieder zum Leuchten bringen. Opa kam beim Erklären der Begriffe so richtig in Fahrt. Mit Händen und Füßen brachte er unserem Team Punkte ein. 


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