Während
Toni und ich noch gemütlich in der Vorschiffskabine schliefen, hob Mama den
Anker. Doch die Ankerwinsch tat sich heute so schwer. Plötzlich entdeckte Mama,
dass etwas an der Ankerkette hängte. Sie rief Papa und gemeinsam holten sie
einen alten verrosteten Stockanker nach oben, der sich an unserer Ankerkette
eingekrallt hatte. Zum Glück bewegte sich kein Schiff in der näheren Umgebung.
Wahrscheinlich lag dieser Anker schon längere Zeit ohne Besitzer in der Bucht
herum. Allerdings wurde unsere arme Boje wieder einmal in Mitleidenschaft
gezogen. Sie verhängte sich und tauchte unter. Mama musste die Schnur
abschneiden, um sie zu entwirren.
Papa und
Mama tuckerten mit dem Motor gemütlich Richtung Festland. Heute lagen knapp 50
Seemeilen vor uns, d. h. 8 bis 9 Stunden Fahrtzeit. Bis Wind aufkam nutzten
meine Eltern die Zeit zum Lesen und Gymnastik machen. Beim Losfahren sahen Papa
und Mama eine Schwedin an Deck, die ihr morgendliches Fitnessprogramm mit
Hanteln und Liegestützen durchzog. Das forderte sie heraus. Mama verzichtete
jedoch auf Liegestützen.
Gegen 9 Uhr
setze Mama das Großsegel, um das Schiff etwas zu stabilisieren. Der Wind war
noch schwach, aber die Wellen liefen aus Nordwesten. Da sie hier lange Zeit
ungebremst laufen können, bauen sie sich langsamer ab. Um 10 Uhr bekam Mama
dann Frühstückshunger. Das Geklapper weckte mich und ich kam aus meiner Koje
heraus. Toni toppte ihren Langschläfertag: Heute wurde es 11 Uhr!!
Unterwegs
sahen wir einige große Fähren, passierten die Insel Euxia, die sich der Emir
von Katar geleistet hatte und entdeckten Felder zur Salzgewinnung. Um 13:45 Uhr
reichte es uns vom Motorgeknatter und wir machten eine Mittagspause im
Marschland. Hier war das Wasser ganz seicht, bräunlich gefärbt und es roch
leicht kloakig. Trotz dieser widrigen Bedingungen gingen wir Baden, denn es war
uns unendlich heiß!
Gegen 16:30
wurden uns die Fliegen an Bord zu lästig. Ich hatte schon 20-30 davon erlegt.
Außerdem störte der üble Geruch schon Papas schlechte Nase. Wir wollten den
Anker bergen, da zogen wir ein oranges Gefäße (vermutlich ein altes
Fischernetz) an unserer Ankerkette nach oben. Unglaublich, zum zweiten Mal an
einem Tag! Eigentlich hätten wir auf Goldsuche gehen sollen, soviel Zufall gibt
es wohl selten.
Den Rest
der Fahrt verbrachte ich mit Lesen. Bin schon fast bei der Hälfte meines
E-Books. Tolino ist zurzeit mein bester Freund. Kurz nach 17:30 Uhr erreichten
wir die Hafeneinfahrt von Marina Mesolongion. Es dauerte fast noch eine halbe
Stunde, bis wir endlich vor Anker lagen. Wir fuhren bestimmt 1 Meile einen Kanal
entlang. Überall badeten Leute, an Stegen lagen Fischerboote und kleine
Ferienhäuschen gab es dort. Auch wir sprangen direkt vom Boot ins Wasser und
schwammen Papa hinterher.
Vor dem
Abendessen erkundeten wir noch die Marina. Der Zustand unseres Beibootes
verschlechterte sich täglich. Papa wollte im Nautic-Shop noch einen Spezialkleber
besorgen, um einen letzten Rettungsversuch zu starten. Mama, Toni und ich sahen
uns in der Zwischenzeit im Supermarkt der Marina um. Überall waren Schilder
aufgestellt „Fine local products“. Die Produkte in den Regalen waren aber sehr
übersichtlich. Mama meinte, es müsste eher „five local products“ heißen.
Abendessen
gab es an Bord (Risotto mit Gemüse und als Nachspeise Obst mit Honig und
Zitronensaft). Da es noch immer unerträglich heiß war und das Wasser
Badewannentemperatur hatte, also nicht zur Abkühlung taugte, gingen wir noch
einmal an Land. Toni und ich kühlten uns mit einem Eis innerlich ab, Papa und
Mama genossen ein eiskaltes Getränk. Außerdem hatten wir unseren Rucksack mit
Zahnputzbecher dabei. Das Wasser in den Toilettenräumen war herrlich zum Abkühlen
von Gesicht und Armen. Ich hielt auch noch meinen Kopf unter die Leitung. Nach
der Erfrischung kehrten wir zurück zum Schiff. Es war schon sehr spät.
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