Sonntag, 19. Juli 2015

Die Ratteninsel

Obwohl wir mitten im Niemandsland ankerten, wurden wir wieder mit lauter Diskomusik beschallt. Erstaunlicherweise beginnt der Lärm immer erst gegen Mitternacht. Da schliefen Antonia und ich längst tief. Mama hört sowieso nie was, weil sie immer mit Ohrenstöpsel schläft, nur Papa und Opa konnten nicht schlafen.

Mama fuhr schon um 7:15 Uhr Richtung Land, um frisches Brot zu kaufen. Bei unserem letzten Besuch in Mesolongion hatte sie eine Bäckerei entdeckt, in der gab es leckeres Brot, das mit Olivenöl gebacken war. Das kaufte sie wieder.
Bis Mama zurückkam, gingen wir noch eine Runde schwimmen. Antonia traute sich nicht ins Wasser, sie fürchtete sich vor dem Meerungeheuer.
Um 7:55 Uhr schaltete Papa den Motor an, dann legten wir ab. Während wir den Kanal entlang tuckerten, bereiteten Mama und Oma das Frühstück vor. Auf der Fahrt verspeisten wir das leckere Brot. Trotz Fahrtwind war es unendlich heiß. Ich schnappte mir den besten Platz an Deck: vorne auf dem Beiboot. Dort hörte ich Jim Knopf 1-3. Toni und Oma lauschten auch mit. Der Rest der Mannschaft las, denn es war weit und breit nichts zu sehen. Nur Wasser um uns herum. Langsam tauchte in der Ferne Ithaka auf, aber bis zum Ziel waren es nur noch ca.3 Motorstunden.
Ich  nutzte die Zeit, um mein Wissen über geometrische Körper aufzufrischen. Mama suchte das Schiff nach geeigneten Gegenständen ab und ich benannte die versteckte Körperform. Dann beschrieb ich die einzelnen Körperformen und verglich sie miteinander. Die Zeit verging im Nu.
Als wir alle völlig aufgeheizt waren, beschlossen wir kurzerhand einen Badestopp einzulegen. Wir befanden uns zu der Zeit auf der Höhe Eastbay Oxia.(sie gehört angeblich dem Emir von Katar) Einen Umweg von 2,3 Seemeilen, d.h. ungefähr 30 Minuten, nahmen wir gerne in Kauf, für eine Abkühlung. Es lohnte sich wirklich. Hohe Felsenwände, kristallklar türkis schimmerndes Wasser – einfach traumhaft. Das Ankern war nicht ganz so leicht bei einer Wassertiefe von 16 Metern, musste die gesamte Kette raus. Für einen kurzen Badestopp in Ordnung, doch zum Übernachten zu gefährlich. Der Anker rutschte ganz leicht.
Nachdem alle ihr Bedürfnis nach Wasser ausreichend gestillt hatten, fuhren wir weiter. Jetzt gab es sogar genügend Wind zum Segeln. Wir zogen Groß- und Vorsegel und setzten Kurs auf Pera Pegadi, da hatten wir auf dem Weg nach Patras schon einmal einen kurzen Badestopp eingelegt.
Ich konnte Opa zum Monopolyspielen überreden. Ich liebe dieses Spiel, der Rest meiner Familie ist immer schwer dafür zu begeistern. Gut, dass Opa momentan da ist. Toni und Mama malten in Kritzelheftchen. Dann musste ich noch Richtigschreiben üben und mit Mama den Blog schreiben.
Um 16 Uhr erreichten wir Pera Pegadi. Glücklicherweise war noch ein Platz am Steg frei. Es ist wirklich seltsam, mitten in der Prärie hatte irgendjemand eine Mauer mit Anlegemöglichkeit gebaut. Wahrscheinlich hätte hier einmal ein Restaurant gebaut werden sollen. Wir ankerten und legten rückwärts mit Landleinen am Steg an. Das Wasser war genauso herrlich, wie beim Mittagsbadestopp. Ich sprang direkt vom Bug hinein und schnorchelte an der Insel entlang. Dort sah ich viele verschiedene Fische.
Später erkundete ich mit Toni und Mama die kleine Insel. Aber außer Gestrüpp und Steine war hier nicht viel zu entdecken. Mama wollte sich nicht lange aufhalten, denn Papa hatte ihr vorher erzählt, dass es hier Ratten geben sollte. Diese Tiere findet Mama furchtbar grausig. Bei jedem Rascheln schüttelte sie sich vor Ekel. So gingen wir bald wieder zurück und vertrieben uns die Zeit mit Baden. Die Kinder vom Nachbarschiff waren mittelweile auch im Wasser und sprangen mit Toni und mir von der Mauer. Wir spielten ohne zu reden, denn wir konnten nicht italienisch und sie weder deutsch noch englisch. Trotzdem hatten wir eine Menge Spaß.
Toni hätte gerne den Katamaran besichtigt, der ebenfalls am Steg lag. Aber das Mädchen interessierte sich nur für die kleine Italienerin. So kehrte Toni traurig zurück. Opa und Oma versuchten sie mit Badespaß aufzumuntern.
Während Mama das Abendessen kochte, ging ich am Ende des Stegs fischen. Ich baute mir einen Stein an den Angelhaken, denn Opa sagte, eine richtige Angel braucht ein Gewicht zum Absenken der Schnur. Mit Brot lockte ich die Fische an, sie kamen, holten sich den Leckerbissen, aber blieben nicht am Haken hängen. Gut, dass Mama schon gekocht hatte - Fisch gab es heute wieder nicht. 
Als es zu dämmern begann, wurden die Yachtis neben uns nervös. Jeder packte seine Rattenfallen, selbstgebastelt oder professionell, aus. Wir hatten nur noch eine unserer selbsthergestellten Fallen, so musste Opa aus Apfelsaftkartons neue machen. 

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