Mittwoch, 22. Juli 2015

Ein roter Teppich für Oma und mich



Am Morgen sind Toni und ich mit Opa und Oma an Land gerudert, um frisches Brot für unser Frühstück zu kaufen. Neben dem Supermarkt duftete es so herrlich süß aus dem Cafe. Dort gab es Apfeltaschen - mmmmh. Opa spendierte jedem von uns ein Stück. Ich war schon so hungrig, dass ich mein Gebäck auf dem Rückweg zum Dinghi aß.
Mama schnorchelte in der Zwischenzeit und erzählte uns völlig begeistert, dass sie viele verschiedene Fische und sogar zwei Seesterne entdeckt hatte. Jetzt gab es aber erst Frühstück und gleich danach wollte ich noch einmal ins Wasser. Diesmal schwamm ich etwas anders in Richtung Felsen, so entdeckte ich endlich auch die Überreste des versunkenen Fischerbootes, von dem Papa schon erzählt hatte. Nach einem ausgiebigen Schnorchelgang machten wir klar Schiff und starteten in Richtung Zakynthos-Stadt. Es war bereits 12 Uhr.
An der Küste entlang tuckerten wir in Richtung Süden. Anfangs war die Landschaft noch braun und felsig, dann wurde sie immer grüner und dicht besiedelter. Es reihte sich ein Ferienort neben dem anderen. Ich wiederholte mit Mama Verschieben und Drehen, während Antonia wieder mit Oma im Vorschulheft übte. Kurz vor Zakynthos-Stadt legten wir in einer türkisen Bucht einen Badestopp ein. Das Meer war herrlich, aber die Wassersportaktivitäten der Badetouristen gingen uns schnell auf die Nerven. Ständig fuhren Motorboote mit aufgeblasenen Luftkissen oder Bobs mit einer Affengeschwindigkeit an uns vorbei. So beschlossen wir gegen 15 Uhr Richtung Hafen weiterzufahren.
Die Einfahrt nach Zakynthos-Stadt war riesig breit. Kein Wunder, denn hier legen laut Hafenhandbuch viele Fähren und auch Kreuzfahrtschiffe an. Nachdem wir eine Runde im Hafenbecken gedreht hatten, gingen wir an den ersten Steg nahe einer Fähre. Wir hatten die Wahl zwischen Auspuffgestank und Straßenlärm.
Bei unserer Ankunft im Hafen war es noch viel zu heiß für eine Sightseeingtour, so genossen wir erst einmal einen selbstgemachten Melonendrink. Die Wassermelone, die Mama in Poros gekauft hatte, überforderte unseren Kühlschrank. So verarbeiteten wir sie teilweise zu Saft. Mit einem Spritzer Zitrone und etwas Wasser schmeckte der Drink wunderbar erfrischend. Außerdem hatte er eine intensiv rote Farbe.
Während wir unseren Fruchtcocktail genossen, bestaunten wir die Luxusyacht, die am Steg direkt gegenüber lag. Papa googelte natürlich gleich, wieviel ein Aufenthalt auf so einem Schiff kosten würde. Schlappe 75. 000 € beträgt die Miete für eine Woche, man muss aber mindestens 10 Tage buchen. Hinzu kommen noch Benzinkosten und Trinkgeld für die Besatzung (10 Personen). Als der rote Teppich ausgerollt war, traf auch schon die Bonzenfamilie ein: Vater, Mutter und drei dicke Kinder. Oma und ich durften uns nach Anfrage auf dem roten Teppich fotographieren lassen.
Beim Duschen auf dem Heck der Mona Liesa kamen wir in die Realität zurück. Danach spazierten wir los in Richtung Innenstadt. Mehrheitlich beschlossen wir, heute auf traditionelle griechische Küche zu verzichten. Ein italienisches Restaurant gefiel uns besonders. Schon der Gruß aus der Küche schmeckte vorzüglich, besonders das Olivenöl. Nachdem Papa die Bedienung nach der Herkunft des Öls fragte, bot sie uns an, einen 5-Liter-Kanister zum Preis von 23€ für uns zu besorgen. Opa willigte sofort ein – langsam wird er zum Gourmet. Auch die Hauptspeisen waren toll angerichtet und schmeckten äußerst lecker – eine rundum gute Wahl. Papa stellte sofort eine gute Bewertung bei Tripadvisor ein.
Schon während des Essens hörten wir aus der Ferne coole Lifemusik. Toni, Mama und ich machten uns auf den Weg dorthin, die anderen tranken noch einen Espresso. Kurze Zeit später kam auch Oma und fing sofort an zu tanzen. Viele Leute liefen vorbei und warfen ein paar Münzen in die Gitarrenhülle, aber stehen blieben nur wenige. Kaum jemand klatschte, umso mehr jubelten und applaudierten wir. Als wir Twist zur Musik tanzten, kam ihr Groupie zu uns. Wir plauderten ein bisschen mit der jungen Griechin, die auch ein paar Worte Deutsch sprach. Dann schenkte sie Toni und mir ein selbstgemachtes Armband. Nach fast zwei Stunden Privatkonzert machten wir uns auf den Nachhauseweg. Es hatte bestimmt noch 30 Grad.
Als wir bei der Mona Liesa ankamen, waren wir umringt von Gaffern. Die Leute saßen sogar verkehrt herum auf der Bank, um der Promifamilie beim Abendessen zuzusehen. Unglaublich! So kann man seinen Abend auch verbringen. Unser Schiffchen wurde keines Blickes gewürdigt. So legten Toni und ich uns nackig in die aufgeheizte Kabine und versuchten einzuschlafen.

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