Morgens um
6:30 Uhr klingelte der Wecker für Papa und Mama. Die geplante Abreisezeit für
heute war 7 Uhr, denn wir hatten 25 Seemeilen vor uns, das bedeutete ungefähr 5
Stunden Fahrzeit.
Mama löste
die Heckleinen und liftete den Anker, ich steuerte unter Motor aus der Abelike
hinaus. Nachdem Paula ihr Geschäft an Land erledigt hatte, legte auch die
Penelope ab. Gleichzeitig tuckerten wir in Richtung Levkada. Dort öffnet zu
jeder vollen Stunde die Drehbrücke am Ende des Kanals. Papa und Mama tranken
Kaffee und ich entschloss mich wieder in meine Kabine zu verziehen, um noch ein
bisschen weiter zu dösen.
Um 8:30 Uhr
lockte mich der Hunger an Deck. Heute gab es Fitnessfrühstück, wie Mama es nannte,
Müsli mit Früchten und frisch gepressten Orangensaft.
Gegen 9:15
Uhr erreichten wir Levkada (die Hauptstadt von Levkas), wir sahen noch, wie
sich die Brücke langsam drehte und schloss. So ein Mist! Jetzt mussten wir eine
Stunde warten. Kapitän Markus nutzt die Zeit zum Tanken. Wir entschlossen uns
rückwärts an die Kaimauer zu gehen und einen kurzen Spaziergang durch Lefkade
zu machen, denn Toni war in der Zwischenzeit auch aufgewacht. Beneidenswert,
wie meine Schwester bei dem Motorgeräusch einfach weiterschlafen kann.
Leider
missglückte unser erster Anlauf, der Abstand zur Mauer war zu groß und die
Ankerkette schon ganz draußen. Mama holte sie wieder auf, aber es ging so
schwer. Oh nein, wir hatten wieder einmal einen alten Stockanker gefischt. Wie viele
solch rostige Teile liegen wohl in jedem Hafenbecken herum? Wir haben nun schon
drei davon gefischt. Als uns Papa wieder befreit hatte (er warf ihn mit der
Hand zurück), kam auch die Penelope vom Tanken. Mittlerweile war es fast 9:45
Uhr, in einer Viertelstunde öffnete die Brücke zum nächsten Mal. So entschieden
wir uns, die verbleibende Zeit treibend zu warten. Das war ein mächtiges
Gedränge. Immer wieder kam ein Schiff von hinten und wollte weiter nach vorne.
Manche Menschen haben nicht einmal im Urlaub Zeit.
Direkt an
der Durchfahrt standen ein altes Fort und ein Leuchtturm. Es dauerte keine drei
Minuten, dann befanden wir uns schon an der Kanalausfahrt. Schluss mit
gemütlichem Fahrwasser, jetzt schaukelten uns die Wellen die aus Afrika
durchliefen hin und her. Wir steuerten Preveza an, das Städtchen am Eingang zum
Ambrakischen Golf. Auf der Hinfahrt übernachteten wir damals in der Marina
Cleopatra, die eine Seemeile gegenüber lag. Heute fuhren wir an der Kaimauer
entlang und warfen vom Schiff aus einen kurzen Blick auf die Stadt. Doch unser
Interesse richtet sich mehr auf die Robbe, die Papa neben uns auftauchen sah.
Leider sahen wir sie nur kurz, die Pavics hatten mehr Glück, waren direkt
hinter uns und konnten sie eine Weile beobachten.
Wir
segelten mit Genuar in den Ambrakischen Golf hinein. Es fühlte sich an, als
würden wir auf einem See aufkreuzen Richtung Vonitsa. Bei gutem Wind (3-4
Beaufort) und kaum Welle, kamen wir unserem Ziel mit 5 Knoten schnell näher. Um
13:30 Uhr erreichten wir die Bucht vor Vonitsa. Wir wollten lieber baden und
später zu Fuß in die Stadt marschieren, anstatt mitten im Stadthafen zu liegen.
Zunächst gab
es griechischen Salat zum Mittagessen. Nachmittags war Badespaß angesagt. Auf
der Penelope trainierten wir verschiedene Sprünge. Jeder musste vorher einen
Namen zu seinem Sprung erfinden, z.B. Klohüpfer Party 001.Später spielten
Babsi, Toni und ich auf der Mona Liesa Weltreise. So verbrachten wir den
Nachmittag im Wasser und abwechselnd auf der Mona Liesa oder der Penelope.
Zwischendrin las ich in meinem Buch weiter. Bin fast am Ende, Seite 400.
Um 17:30
Uhr waren wir mit den Pavics verabredet. Wir fuhren mit unserem Dinghi an Land und
spazierten über die venezianische Brücke, am Strand entlang in die Stadt
hinein. Vor der Krise war es hier bestimmt ganz nett, jetzt sind viele Häuser
verlassen und ungepflegt. Das venezianische Fort am Hügel sah noch gut erhalten
aus. Das wollten wir uns aber erst nach dem Essen ansehen. Jetzt waren alle
hungrig. Wir gingen die Hafenpromenade entlang und entschieden uns für eine der
letzten Tavernen in der Reihe. Dort saßen schon Leute – ein gutes Zeichen,
dachten wir. Auf der Speisekarte standen die üblichen einfachen Gerichte: Fisch
oder Fleisch gegrillt, natürlich mit Pommes. Wir bestellten ein paar
Vorspeisen, die jeder probieren konnte und ich probierte heute Calamari.
Auf dem Weg
zur Taverne entdeckte Toni eine „Kaffeepalme“. Nach dem Essen lösten wir aus den
heruntergefallenen Früchten die Samen heraus. Die wollten wir unseren Eltern
als Kaffeebohnen verkaufen. Zum Schluss hatten wir eine ganze Tüte voller
Samen. Der Plan ging leider nicht auf.
Nach dem
Abendessen stiegen wir den Berg hinauf zum Fort. Auf dem Weg flogen Fledermäuse
um uns herum. Obwohl es schon so spät war, schwitzen wir alle auf den Stufen
noch oben. Als wir endlich ankamen, standen wir vor verschlossenen Türen.
Schade.
Als
Entschädigung bekamen wir noch ein Eis auf dem Nachhauseweg. Die Kugel kostete
2 Euro! Mama entdeckte noch ihr Traumgeschäft: einen Gemischtwarenhandel. Neben
altbackenen Klamotten, gab es dort Kristallleuchter, Küchengeräte, Sammelfiguren
… Kurzum, alles was das Herz des Flohmarktkäufer sich wünscht. Nebenan in der
Bar saß ein Mann mit einem Babyhund. Er lag in einer Kiste, war erst ein paar
Wochen alt und musste mit der Flasche gefüttert werden. Ziemlich spät fielen
wir müde in unsere Betten.