Freitag, 31. Juli 2015

Sprungtraining



Morgens um 6:30 Uhr klingelte der Wecker für Papa und Mama. Die geplante Abreisezeit für heute war 7 Uhr, denn wir hatten 25 Seemeilen vor uns, das bedeutete ungefähr 5 Stunden Fahrzeit.
Mama löste die Heckleinen und liftete den Anker, ich steuerte unter Motor aus der Abelike hinaus. Nachdem Paula ihr Geschäft an Land erledigt hatte, legte auch die Penelope ab. Gleichzeitig tuckerten wir in Richtung Levkada. Dort öffnet zu jeder vollen Stunde die Drehbrücke am Ende des Kanals. Papa und Mama tranken Kaffee und ich entschloss mich wieder in meine Kabine zu verziehen, um noch ein bisschen weiter zu dösen.
Um 8:30 Uhr lockte mich der Hunger an Deck. Heute gab es Fitnessfrühstück, wie Mama es nannte, Müsli mit Früchten und frisch gepressten Orangensaft.
Gegen 9:15 Uhr erreichten wir Levkada (die Hauptstadt von Levkas), wir sahen noch, wie sich die Brücke langsam drehte und schloss. So ein Mist! Jetzt mussten wir eine Stunde warten. Kapitän Markus nutzt die Zeit zum Tanken. Wir entschlossen uns rückwärts an die Kaimauer zu gehen und einen kurzen Spaziergang durch Lefkade zu machen, denn Toni war in der Zwischenzeit auch aufgewacht. Beneidenswert, wie meine Schwester bei dem Motorgeräusch einfach weiterschlafen kann.
Leider missglückte unser erster Anlauf, der Abstand zur Mauer war zu groß und die Ankerkette schon ganz draußen. Mama holte sie wieder auf, aber es ging so schwer. Oh nein, wir hatten wieder einmal einen alten Stockanker gefischt. Wie viele solch rostige Teile liegen wohl in jedem Hafenbecken herum? Wir haben nun schon drei davon gefischt. Als uns Papa wieder befreit hatte (er warf ihn mit der Hand zurück), kam auch die Penelope vom Tanken. Mittlerweile war es fast 9:45 Uhr, in einer Viertelstunde öffnete die Brücke zum nächsten Mal. So entschieden wir uns, die verbleibende Zeit treibend zu warten. Das war ein mächtiges Gedränge. Immer wieder kam ein Schiff von hinten und wollte weiter nach vorne. Manche Menschen haben nicht einmal im Urlaub Zeit.
Direkt an der Durchfahrt standen ein altes Fort und ein Leuchtturm. Es dauerte keine drei Minuten, dann befanden wir uns schon an der Kanalausfahrt. Schluss mit gemütlichem Fahrwasser, jetzt schaukelten uns die Wellen die aus Afrika durchliefen hin und her. Wir steuerten Preveza an, das Städtchen am Eingang zum Ambrakischen Golf. Auf der Hinfahrt übernachteten wir damals in der Marina Cleopatra, die eine Seemeile gegenüber lag. Heute fuhren wir an der Kaimauer entlang und warfen vom Schiff aus einen kurzen Blick auf die Stadt. Doch unser Interesse richtet sich mehr auf die Robbe, die Papa neben uns auftauchen sah. Leider sahen wir sie nur kurz, die Pavics hatten mehr Glück, waren direkt hinter uns und konnten sie eine Weile beobachten.
Wir segelten mit Genuar in den Ambrakischen Golf hinein. Es fühlte sich an, als würden wir auf einem See aufkreuzen Richtung Vonitsa. Bei gutem Wind (3-4 Beaufort) und kaum Welle, kamen wir unserem Ziel mit 5 Knoten schnell näher. Um 13:30 Uhr erreichten wir die Bucht vor Vonitsa. Wir wollten lieber baden und später zu Fuß in die Stadt marschieren, anstatt mitten im Stadthafen zu liegen.
Zunächst gab es griechischen Salat zum Mittagessen. Nachmittags war Badespaß angesagt. Auf der Penelope trainierten wir verschiedene Sprünge. Jeder musste vorher einen Namen zu seinem Sprung erfinden, z.B. Klohüpfer Party 001.Später spielten Babsi, Toni und ich auf der Mona Liesa Weltreise. So verbrachten wir den Nachmittag im Wasser und abwechselnd auf der Mona Liesa oder der Penelope. Zwischendrin las ich in meinem Buch weiter. Bin fast am Ende, Seite 400.
Um 17:30 Uhr waren wir mit den Pavics verabredet. Wir fuhren mit unserem Dinghi an Land und spazierten über die venezianische Brücke, am Strand entlang in die Stadt hinein. Vor der Krise war es hier bestimmt ganz nett, jetzt sind viele Häuser verlassen und ungepflegt. Das venezianische Fort am Hügel sah noch gut erhalten aus. Das wollten wir uns aber erst nach dem Essen ansehen. Jetzt waren alle hungrig. Wir gingen die Hafenpromenade entlang und entschieden uns für eine der letzten Tavernen in der Reihe. Dort saßen schon Leute – ein gutes Zeichen, dachten wir. Auf der Speisekarte standen die üblichen einfachen Gerichte: Fisch oder Fleisch gegrillt, natürlich mit Pommes. Wir bestellten ein paar Vorspeisen, die jeder probieren konnte und ich probierte heute Calamari.
Auf dem Weg zur Taverne entdeckte Toni eine „Kaffeepalme“. Nach dem Essen lösten wir aus den heruntergefallenen Früchten die Samen heraus. Die wollten wir unseren Eltern als Kaffeebohnen verkaufen. Zum Schluss hatten wir eine ganze Tüte voller Samen. Der Plan ging leider nicht auf.
Nach dem Abendessen stiegen wir den Berg hinauf zum Fort. Auf dem Weg flogen Fledermäuse um uns herum. Obwohl es schon so spät war, schwitzen wir alle auf den Stufen noch oben. Als wir endlich ankamen, standen wir vor verschlossenen Türen. Schade.
Als Entschädigung bekamen wir noch ein Eis auf dem Nachhauseweg. Die Kugel kostete 2 Euro! Mama entdeckte noch ihr Traumgeschäft: einen Gemischtwarenhandel. Neben altbackenen Klamotten, gab es dort Kristallleuchter, Küchengeräte, Sammelfiguren … Kurzum, alles was das Herz des Flohmarktkäufer sich wünscht. Nebenan in der Bar saß ein Mann mit einem Babyhund. Er lag in einer Kiste, war erst ein paar Wochen alt und musste mit der Flasche gefüttert werden. Ziemlich spät fielen wir müde in unsere Betten.




Donnerstag, 30. Juli 2015

nächtliches Abenteuer



Das war eine ungemütliche Nacht für Papa und Mama. Papa schlief wegen des Unterwasserfelsens wieder einmal an Deck. Als der Wind drehte, kam das Heck der Mona Liesa diesem Ungetüm immer näher. Papa holte schon zweimal Ankerkette auf, aber leider ohne Erfolg. Um 0:30 Uhr startete er schließlich den Motor. Mama wachte auf und half ihm die Landleinen zu lösen und den Anker zu bergen. Auf der Suche nach einem besseren Plätzchen, wachten einige Segler nebenan auf und kontrollierten ihre Anker. Papa drehte eine Runde in der Bucht und entschied dann frei drehend zu ankern. Das war gar nicht so einfach bei der Wassertiefe und der Finsternis. Letztendlich fanden die beiden einen guten Platz auf zehn Meter, so dass Papa nach einer halben Stunde Ankerwache doch noch schlafen konnte.
Gegen 9 Uhr kam Markus angeschwommen und erkundigte sich, was geschehen war. Papa erzählte ihm von der nächtlichen Aktion. Sie besprachen kurz die Reiseroute für heute und legten den Zeitpunkt zum Auslaufen fest. Anschließend gab es Frühstück. Da es in der Bucht keine Einkaufsmöglichkeiten gab, aßen wir wieder Müsli und Obstsalat. Danach schwammen wir zwischen den Booten hin und her. Das waren bestimmt 200 Meter. Toni schaffte die Strecke ohne sich an Mama festzuhalten.
Pünktlich um 11 Uhr verließen wir die Bucht und tuckerten an der Insel Kastos entlang. Wir drehten eine Runde im Hafenbecken von Port Kastos. Ein kleines hübsches Örtchen, das einzige auf der Insel mit einer alten, schön anzusehenden Windmühle. Schade, dass wir keine Zeit mehr hatten hier zu bleiben. Nördlich davon lag die wesentlich größerer und höhere Insel Kalamos (750 m). Dort warfen wir ebenfalls einen Blick in das Hafenstädtchen bevor wir Richtung verlassene Stadt (Port Leone) weiter fuhren. Zwischen den Inseln kam Wind auf, die Penelope entschied sich zu segeln. Da wir noch die Geisterstadt ansehen wollten, lohnte es sich nicht die Segel auszupacken. Im Rod Heikell stand, dass die Einwohner nach dem Erdbeben 1953 ihre Stadt verließen und nicht wieder zurückkamen. Bewohner aus der Stadt Kalamos bauten die zerstörte Kirche wieder auf und pflegen sie bis heute. Wir ankerten in der kleinen Bucht vor der Kirche, badeten und aßen zu Mittag.
Um 13:45 Uhr machten wir uns dann auf den Weg Richtung Megganisie. Diesmal wollten wir im rechten Arm der  Bucht Abelike ankern. Für den Abend hatten wir geplant zu grillen und im Nachbarort Vathi gab es eine gute Metzgerei. In eineinhalb Stunden erreichten wir unser Ziel. Bei 15 Knoten Wind aus Nord-Westen schossen wir mit 5 bis 6 Knoten dahin. So macht Segeln richtig Spaß!
Wir funkten auf Kanal 73 die Penelope an. Sie lagen direkt neben Daniel Cerg vor Anker. Gabi konnte sich nur schwer zum weitersegeln überreden lassen. Papa wollte aber, aus Angst keinen geeigneten Ankerplatz für die Nacht zu finden, zum vereinbarten Ziel. So erreichten wir gegen 15:30 Uhr Abelike. Die gute Seite war wie erwartet zugeparkt, so gingen wir gegenüber mit Heckleine an Land. Ich jumpte sofort ins Wasser. Was war das, es fühlte sich an, wie in der Badewanne. Keine Spur von Abkühlung. Bei der Affenhitze mussten wir nun ins Dorf latschen, um Grillfleisch zu besorgen. Ich hatte absolut keine Lust! Doch das nützte nichts, der Plan war fix. So machten wir uns um 17 Uhr mit nacktem Oberkörper, das T-Shirt in der Hand, auf den Weg nach Vathi. Vom letzten Mal wusste ich, was mich erwartet: erst bergauf, dann bergab. Der Schweiß stand mir auf der Stirn. Endlich erreichten wir die Ortschaft. Da wir alle schon etwas hungrig waren, kauften wir zunächst Grillfleisch ein. Meine Familie entschied sich für Schweinkoteletts, die waren beim letzten Mal sehr lecker. Die Pavics nahmen Fleischpflänzchen und Lammkoteletts. Wir ließen unsere Einkäufe im Kühlfach der Metzgerei und setzten uns nebenan in ein Cafe. Joe und Babsi hatten sich beim Segeltrimm Eis verdient, Toni und ich bekamen auch eins. Die Kugeln waren mega, ich hatte Mühe meine aufzuessen und das heißt was. Bevor wir uns auf den Rückweg machten, spazierten wir noch ein wenig durch Vathi. Mama und Gabi besorgten in der Zwischenzeit die restlichen Lebensmittel im Supermarkt. Gegen 19:30 Uhr waren wir wieder auf der Mona Liesa. Papa heizte sofort den Grill an, Mama und Gabi bereiteten Salate vor. Mitten unter dem Grillen kippte Papa die Feuerschale weg, ein Stück Hackfleisch fiel Poseidon zum Opfer, die restlichen Teile konnte Papa mit dem Deckel des Grills auffangen. Mama holte sofort den Werkzeugkasten und versuchte die locker gewordenen Schraube wieder festzuziehen. Das klappte, aber nun konnte man den Deckel nicht mehr schließen, was dazu führte, dass das herabtropfende Fett zu brennen begann. Zum Glück waren unsere Koteletts schon fast fertig. Aus Platzmangel mussten wir in Etappen essen, zuerst wir Kinder, dann die Erwachsenen.
Nachdem Essen verzogen wir Kinder uns auf die Penelope. Dort las ich den anderen aus Babs Buch „Hier ist was faul – plötzlich Zombi“ vor. Gegen 21:30 Uhr paddelten Toni und ich zurück zur Mona Liesa. Wir mussten ins Bett, denn Morgen wollte Papa schon um 7 Uhr Richtung Ambrakischen Golf auslaufen.

Mittwoch, 29. Juli 2015

Joe und Babsi an Bord






Als ich um 6:30 Uhr aufwachte, um auf die Toilette zu gehen, hörte ich ein merkwürdiges Geräusch. Ich ging an Deck und sah eine ganze Horde Ziegen. Sie waren scheinbar auf der Suche nach Fressbarem. Anschließend legte ich mich wieder in die Kabine und schlummerte noch bis 9 Uhr weiter. Gestern Abend war es ja ziemlich spät geworden.
Schon vor dem Frühstück sprangen wir gemeinsam ins Wasser. Das ist ein tolles Gefühl, aus der aufgeheizten Koje ins kühle Nass zu springen. Du meinst direkt, dass es zischt auf deiner Haut, so erfrischend ist das. Ich werde diesen Luxus bestimmt vermissen, wenn ich wieder zu Hause bin.
Zum Frühstück aßen wir heute eine große Schüssel Obstsalat und Müsli. Unser Brot mussten wir für Mittag aufsparen, denn Einkaufsmöglichkeiten wird es die nächsten zwei Tage nicht geben.
Wasserschlacht auf Pera Pegadi
Nach dem Frühstück verzogen wir vier uns ins Lager - die letzten Vorbereitungen für die Wasserschlacht. Den Wasserrucksack und einen Eimer zum Nachladen mussten wir noch parat legen. Die Erwachsenen diskutierten in der Zwischenzeit an Bord der Mona Liesa unsere Reiseroute für die nächsten Tage. Selbst Schuld, wenn sie denken sie müssten sich nicht vorbereiten. Nach mehrmaliger Aufforderung kamen sie schließlich mit läppischen vier Wasserflaschen. Der Kampfschrei unserer Väter war ganz beachtlich, aber mit ihren Waffen hatte sie trotzdem keine Chance gegen uns – wir waren taktisch gut vorbereitet. Unsere Festung bot einen super Schutz, so dass die Munition der Angreifer schnell verschossen war und wir fast trocken blieben. Nach nicht einmal 5 Minuten mussten sie sich tropfnass ergeben.
Vor dem Ablegen befreiten wir unser Schiff von den kleinen weißen Sandkörnern, die wir vom Steg an Bord schleppten. Die doppelte Schmutzbariere mit Wassereimer zur Fußreinigung und Fußabstreifer funktionierte nicht so wie geplant. Das Zeug verteilte sich einfach. Gegen 11 Uhr konnten wir schließlich auslaufen. Babsi und Joe durften heute bei uns an Bord mitsegeln, weil schwacher Wind aus Nord-West angesagt war. Dem war aber nicht so, es blies bereits gewaltig, als wir aus der Abdeckung der Insel fuhren. Bis zu 28 Knoten Wind raumschots maß unsere Bordelektronik. Das bedeutete gereffte Segel, starke Krängung und die Wellen schlugen übers Vorschiff. Mama war heilfroh, dass wir Kinder uns die Zeit unter Deck vertrieben. Wir erzählten uns Witze und wer lachte, musste einmal ohne sich festzuhalten durchs Schiff gehen. Eine große Herausforderung bei diesem Seegang.
Einmal kam Mama kurz nach unten und versorgte uns mit Getränken und Knabbereien. Sie verschwand aber ganz schnell wieder, denn ihr wurde übel. Sie konnte gar nicht glauben, dass uns bei der Hitze und Schaukelei nicht schlecht wurde. Wir sind halt richtige Seebären - wie Waggerl uns immer nennt.
Lunchtime nach rauschender Fahrt
Kurz vor Atokos spritzt es plötzlich durch die Deckenluke. Schnell verschlossen wir alle noch offenen Fenster und setzten uns an Deck. Mama legte für alle Schwimmwesten bereit. Ich musste mich ganz schön einspreitzen bei der Schräglage, aber die bequemeren Plätze in Lee waren schon besetzt.  Als wir in  Atokos eintrafen, kreisten schon einige Schiffe wild durcheinander in der Bucht. Die Suche nach einem Ankerplatz wurde durch den böigen Wind zur Herausforderung. Papa wollte sich das nicht antun, so verließen wir das schöne Plätzchen und warteten etwas weiter nördlich auf Markus und Gabi. Das war kein schlechter Plan, denn es war schön und ruhiger hier. So entschied Kapitän Papa kurzerhand den Anker zu werfen und einen Badestopp einzulegen. Mama blieb zur Sicherheit an Bord und bereitete einen kleinen Mittagssnack vor. Bei der Gelegenheit kehrten Babsi und Joe auf die Penelope zurück, denn Papa und Mama wollten bei diesem Wind nicht weiter die Verantwortung für vier Kinder übernehmen.
Die weitere Überfahrt nach Kastos dauerte knapp eine Stunde. Allein mit der Genua schafften wir 6 Knoten Geschwindigkeit. Mama übernahm das Ruder - die beste Medizin gegen Seekrankheit, denn Raumschotskurs bei diesem Wellengang ist nur etwas für echte Seemänner. In der Bucht legten wir mit Anker und Heckleine an. Papa fühlte sich nicht wirklich wohl mit der Ankersituation. Genau hinter uns gab es einen Unterwasserfelsen, der unserem Ruder gefährlich werden konnte. Nach dem Erlebnis in Hvar, ist Papa immer besonders vorsichtig.
Nach einer Runde baden, machte sich Mama an die Vorbereitung des Abendessens. Wir waren heute schon sehr hungrig. Zur Auswahl gab es Carbonara oder Putanesca. Toni und ich entschieden uns für ersteres. Während Toni Mama beim Kochen half, vertiefte ich mich noch einmal in mein Buch. Am liebsten würde ich die letzten Kapitel lesen, weil ich die Spannung kaum aushalten kann. Aber Mama riet mir davon ab, als ich ihr später beim Abwasch half.
Den Abend verbrachten wir alleine auf der Mona Liesa, denn zwischen uns und den Pavics ankerte noch ein anderes Schiff. Außerdem hatte sich Johannes heute beim Segeln seinen großen Zeh blau geschlagen, deshalb blieb er lieber an Bord. Mama und Toni übten auf dem Vorschiff Yoga, während Papa und ich an unseren Büchern weiterlasen. Gegen 21:30 Uhr verschwand ich dann in meiner Koje – segeln macht ziemlich müde.   

Die Penelope neben uns am Ankerplatz


Dienstag, 28. Juli 2015

Lagerbau auf Pera Pegadi



Heute habe ich den Morgen sportlich begonnen. Zuerst joggte ich mit Papa in den Ortskern nach Poros und danach kühlten wir uns beim Schwimmen ab. Frühstück gab es dann gegen 9 Uhr. Papa besorgte ein paar Kleinigkeiten aus dem Supermarkt und ich sprang mit Mama und Toni noch einmal ins Wasser.  
Meine Schwester wollte sich unbedingt vom Monkey-Opa verabschieden, bevor wir Richtung Ithaka aufbrachen. So besuchten wir ihn auf seinem Schiff. Er saß bereits in der Morgensonne und rauchte. Hocherfreut lud er uns ein, seine Yacht anzuschauen. Unglaublich wieviel größer eine  Beneteau 461 im Inneren ist. Sie hatte drei Kabinen und einen riesigen Küchen- und Essbereich. Fast wie eine kleine Wohnung. Hier kann man locker leben. An der Wand entdeckten wir unsere Bilder wieder. Er hatte sie tatsächlich aufgehängt. Was für eine Ehre. Michael erzählte uns, dass er die nächsten zwei Wochen im Hafen verbringen wird, bevor seine Frau und sein Sohn in besuchen kommen. Mir wäre es zu langweilig ganze zwei Wochen am selben Fleck zu verbringen. Ihn scheint das nicht zu stören. Als wir uns der Reihe nach verabschiedeten (Toni ließ sich sogar drücken) machten wir uns zum Ablegen bereit.
Um 11 Uhr verließen wir Poros. Unser Anker ließ sich problemlos aufholen. Kurz darauf folgte uns die Penelope. Wir tuckerten erst einmal an der Küste entlang, während Markus einen völlig anderen Kurs einschlug. Unser vereinbartes Ziel war Pera Pigadi – in diesem Urlaub zum dritten Mal. Ich freute mich trotzdem darauf, denn dort war es einfach wunderschön. Natur pur, türkises Wasser und Ruhe. Nachdem alles an Bord verstaut war, setzten wir die Segel bei Halbwindkurs. Wir segelten gemütlich bei 4 bis 5 Knoten zum Ziel. Ein angenehmer Kurs zum lernen und lesen.  
Als wir in Pera Pigadi ankamen, lagen erst zwei Schiffe am Kai. Wir ankerten und gingen neben einem italienischen Schiff an der betonierten Steg. Ein sicherer Platz für die Nacht. Außerdem perfekt geeignet, um problemlos von einem Schiff zum anderen zu wechseln. Doch wir verbrachten nicht viel Zeit auf den Booten, denn im Wasser und an Land war die Temperatur wesentlich angenehmer. Nach einem ausgiebigen Schnorchelgang, suchten wir uns einen Platz zum Lagerbauen. Material gab es genug. Aus Steinen und Reisig errichteten wir eine Mauer, die uns als Schutzschild für die Fortsetzung der Wasserschlacht dienen sollte. Dann heckten wir einen Plan aus, wie wir die Angreifer am besten zurückschlagen und besiegen könnten. Das beschäftigte uns fast den ganzen Nachmittag, so dass wir alles um uns herum vergaßen. Erst als ein Erwachsener uns mit Trinkwasser versorgte, erkannten wir, dass uns eine Abkühlung gut tun würde. Wir legten eine Pause ein und gingen Baden.
Während wir fleißig gearbeitet hatten, lagen die Erwachsenen im Schatten, lasen und ratschten. Es legten noch zwei weitere Schiffe neben uns an. Doch schon beim Ankern sahen Papa und Markus, dass sie viel zu wenig Ankerkette gesteckt hatten. Das machte ihnen später Probleme, als der Wind aus Nord kam und sie volle Kanne gegen die Kaimauer drückte. Sie hatten Stress, ihre Schiffe von der Mauer entfernt zu halten. Aber anstatt neu zu ankern, verließen sie die Bucht.
Heute Abend kochte Markus Bohneneintopf für die gesamte Mannschaft. Dazu gab es Reis und Tomatensalat. Ich aß sogar noch eine zweite Portion, weil es mir so gut schmeckte. Auch diesmal blieb nichts übrig, obwohl Markus immer gern viel kocht. Nach dem Abendessen bauten wir an unserem Lager weiter. Die italienische Crew und auch die Deutschen, die während des Abendessens angelegt hatten, sammelten Reisig und Holz für ein Lagerfeuer. Wir hätten auch gerne ein Feuer gemacht, aber unsere vernünftigen Eltern meinten, bei dem Wind wäre das viel zu gefährlich. (Waldbrandgefahr!!) Wir hatten trotzdem Glück, denn die Italiener luden uns ein, mit ihnen Bruscetta zu grillen. Als es zu dämmern begann entzündeten sie ihr kleines Feuerchen und wir durften eine Zeit lang zündeln. Mama machte wirklich coole Fotos von uns, als wir die glimmenden Stöcke schwenkten. Als ausreichend Glut vorhanden war, kam der italienische Papa mit seiner Bratpfanne und beendete die Feuerspielchen. Ich glaube Papa und Mama waren ihm dankbar, denn sie waren nicht ganz so entspannt. Wir legten zwei Scheiben Brot in die Pfanne. Auf das geröstete Brot kamen dann Olivenöl und Tomaten. Das war sozusagen unser Betthupferl, denn danach putzten wir Zähne und mussten ins Bett. 
Mike (Monkey Opa)