Heute Nacht
schliefen Mama und Papa schlecht. Immer wenn die Mona Liese von den Wellen
geschaukelt wird, stöhnt sie. Ein knarrendes Geräusch in den hinteren beiden
Kabinen hindert mich am schlafen. Papa hat schon mehrmals versucht, die Ursache
zu finden, aber es ist ihm noch nicht gelungen. Er ist ja erst in der
Ausbildung zum Hausmeister. Außerdem scheint es ein schwierigeres Problem zu
sein, denn irgendjemand vor uns hat schon versucht eine Münze unterzulegen,
allerdings ohne Erfolg. In der vorderen Koje jedenfalls war es sehr angenehm.
Toni und ich pennten wieder mal bis 9:30 Uhr.
Noch vor
dem Frühstück sprang ich mit Mama ins Wasser. Wir schwammen bis zu den Felsen
am Ufer, entdeckten aber nur wenige Fische dort. Heute gab es Obst und Joghurt
zum Frühstück, weil wir kein Brot mehr zum Aufbacken hatten. Alles aufgegessen
gestern.
| Der Chef erzählt uns wie er Seife herstellt. |
Gegen 14
Uhr waren wir zurück auf der Mona Liesa. Kurze Zeit später hoben wir den Anker
und fuhren in Richtung Petiriti (12 Seemeilen entfernt). Eine halbe Stunde
tuckerten wir mit dem Motor, um Strom für unseren Kühlschrank zu produzieren.
Papa erledigte in dieser Zeit den Abwasch vom Frühstück. Danach setzten wir
beide Segel. Bei achterlichem Wind segelten wir Schmetterling, d.h. Großsegel
Backbord und Genua Steuerbord. Als der Autopilot steuerte, krachte plötzlich
das Großsegel auf die andere Seite. Papa schrie entsetzt von unten: „Was ist
passiert?“ Ich war so vertieft in mein Buch, dass ich es gar nicht richtig
mitbekam. Wir mussten das Segel noch mehrmals schifften, weil ein anderer
Segler genau auf Kollisionskurs mit uns war und er Vorfahrt hatte (Backbordbug
vor Steuerbordbug).
Um 16:30
Uhr erreichten wir die Bucht. Es waren schon einige Schiffe vor Anker, aber
noch genügend Platz. Angenehm war es hier nicht, es schaukelte gewaltig. Mama
konnte das Weltreisespiel mit Antonia nicht fertigspielen, weil ihr beim Lesen
unter Deck schlecht wurde. Papa löste sie ab, es ging ihm aber auch nicht gut
dabei. Mama und Papa faulenzten noch eine Weile und ich habe mein Buch
fertiggelesen. 449 Seiten in 2 Tagen, das ist mein momentaner Rekord. Antonia
spielte mit ihrem neuen Freund Fifi, ein Hund (blauer Fender) und ging mit ihm
auf dem Boot Gassi.
Gegen 18
Uhr beschloss Mama zu kochen (Couscous mit Karotten und Hähnchen). Während wir beim
Essen an Deck saßen kamen 9 Segelyachten auf einmal Richtung Bucht. „Wo wollen
die noch hin“, dachte ich. Es war kaum mehr Platz. Sie veranstalteten ein
spektakuläres Anlegemanöver. Das erste Schiff ging mit dem Bug vorwärts an den
Steg, weitere 6 legten mit dem Heck Seite an Seite an die erste Yacht an. Die
restlichen 2 fanden im Hafen noch ein Plätzchen.
Nun wollten
wir an Land fahren, um uns vom Schaukeln etwas zu erholen. Ich fuhr genau gegen
die Wellen mit unserem Beiboot, da kämpfte der Motor ganz schön. Am Steg in der
Nähe der Fischerboote legten wir an. Die Fischer bereiteten gerade ihre Kutter
für die Ausfahrt vor. Sie schleppten riesige Eisblöcke und Säcke mit Eiswürfel
an Bord und verstauten sie in einer Kammer. Außerdem hatten sie ihre Netze
schon eingeladen und stapelweise Styroporkisten.
| Ein aufgelaufenes Segelboot - im Hintergrund die Mona Liesa |
Im
Supermarkt kauften wir für 50 Cent ein leckeres Eis. Wir hatten diese kleinen
Eis am Stiel ohne Verpackung schon oft gesehen, aber nie ausprobiert. Die nehmen
wir jetzt immer: klein und lecker. Dann spazierten wir zum Beiboot zurück. Auf
dem Weg sahen wir noch einen Orangenbaum voller Früchte (Ich pflückte eine,
aber sie war leider schon überreif.) und ein Schild (Here you can find free
shower and washing maschine.) Sonst war nicht besonders viel geboten in dem kleinen
Fischerdorf. Um 21 Uhr waren wir wieder zurück auf der Mona Liesa, Zeit um ins
Bett zu gehen. Als wir schon tief und fest schliefen, feierten die Engländer
mit lauter Musik, wie in Papas besten Zeiten.
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