Dienstag, 23. Juni 2015

Flotille überfällt die Bucht von Petriti!



Heute Nacht schliefen Mama und Papa schlecht. Immer wenn die Mona Liese von den Wellen geschaukelt wird, stöhnt sie. Ein knarrendes Geräusch in den hinteren beiden Kabinen hindert mich am schlafen. Papa hat schon mehrmals versucht, die Ursache zu finden, aber es ist ihm noch nicht gelungen. Er ist ja erst in der Ausbildung zum Hausmeister. Außerdem scheint es ein schwierigeres Problem zu sein, denn irgendjemand vor uns hat schon versucht eine Münze unterzulegen, allerdings ohne Erfolg. In der vorderen Koje jedenfalls war es sehr angenehm. Toni und ich pennten wieder mal bis 9:30 Uhr.
Noch vor dem Frühstück sprang ich mit Mama ins Wasser. Wir schwammen bis zu den Felsen am Ufer, entdeckten aber nur wenige Fische dort. Heute gab es Obst und Joghurt zum Frühstück, weil wir kein Brot mehr zum Aufbacken hatten. Alles aufgegessen gestern.

Der Chef erzählt uns wie er Seife herstellt.
Danach machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Wir wollten noch einmal die Esplanade entlangspazieren und durch die kleinen Gässchen bummeln. Papa hatte im Reiseführer von einem Seifenhersteller gelesen. Einer der letzten Handwerksbetriebe auf Korfu, die noch Kernseife traditionell herstellen. Wir hatten Glück und kamen gerade rechtzeitig zur Vorführung. Der Firmenchef erzählte auf Englisch, aus was und wie er seine Seifen macht. Ich verstand schon einiges und Mama übersetzte mir den Rest. Dann zeigte ein Mitarbeiter, wie die Seifen in gleich große Stücke geschnitten und gestempelt werden. Das war wirklich interessant. Wir kauften uns natürlich ein Stück Olivenseife und ein paar hübsch verpackte als Mitbringsel dazu.
Papa besorgte noch eine SIM-Karte zum Telefonieren, d.h. ich besitze jetzt eine griechische Telefonnummer, nachdem mein derzeitiger Wohnsitz Griechenland ist. Mama, Toni und ich kauften in der Zwischenzeit Gemüse bei einem alten Mann, der mit seiner Ape (kleiner Transporter) am Straßenrand stand. Er hatte riesige Tomaten, die größer als meine Hand waren und frischen Oregano für griechischen Salat. Auf dem Weg zum Schiff kamen wir durch eine Gasse mit lauter Imbissständen. Papa überredete uns, ein Gyros anstatt Salat zu Mittag zu essen. Wir kauften zwei Pitas (Wraps) und teilten sie. Das waren Megaportionen an Fleisch. Danach war es Mama so übel, dass sie einen Ouzo brauchte.
Gegen 14 Uhr waren wir zurück auf der Mona Liesa. Kurze Zeit später hoben wir den Anker und fuhren in Richtung Petiriti (12 Seemeilen entfernt). Eine halbe Stunde tuckerten wir mit dem Motor, um Strom für unseren Kühlschrank zu produzieren. Papa erledigte in dieser Zeit den Abwasch vom Frühstück. Danach setzten wir beide Segel. Bei achterlichem Wind segelten wir Schmetterling, d.h. Großsegel Backbord und Genua Steuerbord. Als der Autopilot steuerte, krachte plötzlich das Großsegel auf die andere Seite. Papa schrie entsetzt von unten: „Was ist passiert?“ Ich war so vertieft in mein Buch, dass ich es gar nicht richtig mitbekam. Wir mussten das Segel noch mehrmals schifften, weil ein anderer Segler genau auf Kollisionskurs mit uns war und er Vorfahrt hatte (Backbordbug vor Steuerbordbug).
Um 16:30 Uhr erreichten wir die Bucht. Es waren schon einige Schiffe vor Anker, aber noch genügend Platz. Angenehm war es hier nicht, es schaukelte gewaltig. Mama konnte das Weltreisespiel mit Antonia nicht fertigspielen, weil ihr beim Lesen unter Deck schlecht wurde. Papa löste sie ab, es ging ihm aber auch nicht gut dabei. Mama und Papa faulenzten noch eine Weile und ich habe mein Buch fertiggelesen. 449 Seiten in 2 Tagen, das ist mein momentaner Rekord. Antonia spielte mit ihrem neuen Freund Fifi, ein Hund (blauer Fender) und ging mit ihm auf dem Boot Gassi.
Gegen 18 Uhr beschloss Mama zu kochen (Couscous mit Karotten und Hähnchen). Während wir beim Essen an Deck saßen kamen 9 Segelyachten auf einmal Richtung Bucht. „Wo wollen die noch hin“, dachte ich. Es war kaum mehr Platz. Sie veranstalteten ein spektakuläres Anlegemanöver. Das erste Schiff ging mit dem Bug vorwärts an den Steg, weitere 6 legten mit dem Heck Seite an Seite an die erste Yacht an. Die restlichen 2 fanden im Hafen noch ein Plätzchen.
Nun wollten wir an Land fahren, um uns vom Schaukeln etwas zu erholen. Ich fuhr genau gegen die Wellen mit unserem Beiboot, da kämpfte der Motor ganz schön. Am Steg in der Nähe der Fischerboote legten wir an. Die Fischer bereiteten gerade ihre Kutter für die Ausfahrt vor. Sie schleppten riesige Eisblöcke und Säcke mit Eiswürfel an Bord und verstauten sie in einer Kammer. Außerdem hatten sie ihre Netze schon eingeladen und stapelweise Styroporkisten.
Ein aufgelaufenes Segelboot - im Hintergrund die Mona Liesa
Wir schlenderten einmal am Strand auf und ab. Antonia ekelte sich ziemlich, weil alles Mögliche (vertrocknetes Seegras, Stöcke, verschiedenster Müll) herumlag und es roch auch nicht besonders gut. Wir sahen auch noch ein auf Griechisch entsorgtes Boot – nur noch der Rumpf lag am Strand. Hier wird der Sand nicht wie in Italien gesäubert und glattgemacht. Auf dem Weg zum Supermarkt entdeckten wir einen ungepflegten, traurigen Esel, der nur an einer kurzen Leine festgebunden war. Das Grundstück war zu verkauften. Toni wollte es sofort haben und den Esel befreien.
Im Supermarkt kauften wir für 50 Cent ein leckeres Eis. Wir hatten diese kleinen Eis am Stiel ohne Verpackung schon oft gesehen, aber nie ausprobiert. Die nehmen wir jetzt immer: klein und lecker. Dann spazierten wir zum Beiboot zurück. Auf dem Weg sahen wir noch einen Orangenbaum voller Früchte (Ich pflückte eine, aber sie war leider schon überreif.) und ein Schild (Here you can find free shower and washing maschine.) Sonst war nicht besonders viel geboten in dem kleinen Fischerdorf. Um 21 Uhr waren wir wieder zurück auf der Mona Liesa, Zeit um ins Bett zu gehen. Als wir schon tief und fest schliefen, feierten die Engländer mit lauter Musik, wie in Papas besten Zeiten.

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