Dienstag, 30. Juni 2015

Bernd und Susanne.....



Mama und ich begannen den Tag sportlich. Wir ruderten mit unserem Beiboot an Land und joggten die Hafenpromenade entlang. Auf dem Rückweg kauften wir frisches Brot und Croissants ein. Zurück an Bord freuten wir uns auf ein Frühstück.
Während Mama und Papa das Schiff putzen und umbunkerten, hatten Toni und ich Spaß mit unserem Beiboot. Wir waren der Motor und trieben unser Schiff mit Beinschlägen an. Eigentlich wollten wir zum Schiffswrack in der Bucht, aber das Beiboot war ja festgebunden.
Danach musste ich Mathe machen. Mit Papa gemeinsam erstellte ich ein Histogramm. Dazu teilte ich die Tagesstrecken, die wir gesegelt sind, in Klassen mit jeweils 5 Seemeilen ein. Also 0-5 Seemeilen, 5-10 Seemeilen usw. und zählten dann, wie oft wir wie viele Meilen zurückgelegt hatten. Danach übertrug ich die Tabelle in ein Balkendiagramm, so wie wir das in der Schule schon öfters gemacht hatte.
Toni und Mama fuhren in der Zwischenzeit noch mal an Land. Meine Schwester wollte unbedingt die Bäckerei sehen, von der ich ihr heute Morgen vorschwärmte. Die beiden Mädls kauften einen leckeren Marmorkuchen als Nachspeise. Dann spazierten sie noch eine Weile durch die Ortschaft. Sie beobachteten, wie die Leute ihre leeren Wasserflaschen zu einem Tankwagen brachten, der sie auffüllte. Ein Stückchen weiter gab es einen Obst- und Gemüsewagen, der ebenfalls durch die Straße fuhr und die Leute versorgte. Der Mann sagte: „Germany is good!“ und schenkte Toni eine Nektarine. Schade, das hätte ich auch gerne gesehen, aber ich muss ja immer diese blöden Schulaufgaben erledigen!
Am Nachmittag bauten wir unsere Hängematte zum ersten Mal zwischen Mast und Vorstag auf. Toni legte sich quer hinein und schaukelte eine ganze Weile darin herum. Als sie ausstieg, sah ich, wie der Wind die Matte zur Seite wehte und wie ein Segel aufblähte. Erst versuchte ich an der weißen Schnur das Segel nach unten zu halten. Doch dann kam Toni mit einem Terraband in der Hand zurück. Das war die Lösung, mit dem Band konnten wir das Segel einstellen. Im Laufe der Zeit verfeinerten wir die Einstellung noch mit weiteren Leinen. Mama und Papa bemerkten, wie sich das Schiff in den Wind drehte und leicht Fahrt aufnahm. Da uns der Anker festhielt, fiel das Segel immer wieder ein und wir mussten wenden, d.h. die Matte auf der anderen Seite befestigen. Das machte echt Spaß. Wir nannten unser Spiel: Bernd und Susanne gehen Segeln.
Am Abend fuhren wir mit unserem Beiboot ewig in Richtung Land. Wir wollten wieder einmal Fleisch und Fisch essen. Nachdem Mama hauptsächlich vegetarisch kocht, weil es in den Touristenorten keine Metzger gibt. Eigentlich wollten wir zum Seaside Restaurant fahren, weil dies im Tripadvisor gute Kritik (Platz 2 auf Levkas) erhalten hatte. Doch während der Fahrt planten wir spontan um, weil der Weg so weit schien. Außerdem erinnerte sich Papa, dass die beiden Österreicher uns die Taverne Elena empfohlen hatten. Letztendlich landeten wir dann im DIMITRIS, weil es Toni dort am besten gefiel. Nach dem Blick in die Speisekarte bereuten wir aber unsere Wahl. Die Tochter des Wirts (Trantüte herself) bot Felix zu seinen gegrillten Garnelen Pommes an. Mama und Papa schauten sich den frischen Fisch aus der Kühlung an. Dann kam der Chef, der sehr gut Englisch sprach und nahm die Bestellung selbst entgegen. Er empfahl uns Reis und Salat zum gegrillten Fisch. Toni bekam eine Kinderportion Suvlaki mit Gemüsereis. Das beruhigte uns. Zum Schluss waren wir alle zufrieden. Das Essen war einfach, aber lecker. Preis und Leistung passten. Als Papa mit Kreditkarte zahlen wollte, meinte der Chef, Bargeld wäre ihm heute lieber. Wir hielten noch einen kurzen Plausch über die wirtschaftliche Situation Griechenlands und er beruhigte uns, dass Touristen uneingeschränkt Geld von den Banken bekommen würden. Beim nächsten Mal werden wir aber ins Seaside gehen, denn da spazierten wir auf dem Rückweg vorbei. Das sah wirklich nobel aus. Schönes Ambiente, toll aufgedeckte Tische und der Blick in die Küche machte uns Spaß.

Montag, 29. Juni 2015

Aufgelaufen!- Lefkas Kanal



Mama und Papa standen früher als sonst auf. Um 7:30 Uhr joggte Mama schon Richtung ambrakischen Golf. Das ist eine Art See mit einem Kanal zum Meer. Cleopatra führte dort eine berühmte Schlacht. In der Zwischenzeit spritzte Papa das Schiff mit Süßwasser ab. Es war dringend nötig, weil ich beim Salzstangenessen absichtlich gebröselt hatte. Ich wachte von dem Rauschen des Wasser auf und Toni auch, weil ihr Papa aus Versehen in die Kabine spritzte. Somit waren wir heute um 8:30 Uhr wach, was auch passte, weil wir bis 10 Uhr an der Drehbrücke beim Levkaskanal sein wollten. Die Brücke öffnet nur einmal in der Stunde.
Mama versuchte während der Fahrt Frühstück zu machen. Das ging ziemlich schief, weil die Wellen doch stärker als erwartet waren. Die Kaffeekanne stürzte ab, aber Mama kam mit einem Schrecken davon.

Mit 5kn durch den Lefkas Kanal.
Pünktlich um 10 Uhr passierten wir die Drehbrücke. Viele Schiffe fuhren durch den Kanal in beide Richtungen. Als wir schon eine halbe Stunde unterwegs waren, bemerkten wir, dass eine Segelyacht vor uns nicht mehr weiterfuhr und eine zweite kurz dahinter abdrehte. Wir versuchten Kontakt aufzunehmen, bekamen aber keine Antwort. Kurz darauf überholten uns Deutsche. Die beiden stehenden Schiffe riefen ihnen zu: „Stop!“ Sie waren auf Grund gelaufen und steckten fest, mitten im Kanal! Wir wechselten die Fahrrinne und überholten die Boote. Eines war mittelweile wieder frei und versuchte das andere herauszuziehen.
Gegen 12:40 Uhr erreichten wir die Bucht Ormos Vlikho. Eigentlich wollten wir in der tranquil bay ankern, aber dort standen schon zu viele Boote herum, deshalb fuhren wir tiefer in die Bucht hinein und ankerten dort.
Jetzt war es Zeit für einen Sprung ins Wasser – trotz Wolken war es unendlich heiß. Warm war das Wasser, aber trüb. Ich konnte mit meiner Taucherbrille nicht, wie üblich bis zum Grund sehen. Hier gab es maximal 2 Meter Sicht, außerdem trieb Seegras umher.
Bis zum Mittagessen durften Toni und ich noch „Das kleine Gespenst“ zu Ende anschauen. Danach begann ich mit der Nacherzählung des Films. Es machte mir so großen Spaß, dass ich gleich 3 Seiten schrieb.
Der Versuch mit einer Mülltüte ein Segel zu basteln.
Den Nachmittag verbrachten wir auf der Mona Liesa mit schwimmen, lesen und spielen. Meine Schwester und ich bauten aus alten Plastiktüten, Stöcken, Kordeln und Gummibändern ein Segel für unser Beiboot. Wir zerschnitten die Tüten und klebten sie mit Papas wertvollem Klebeband zu einem Segel zusammen. Die Stöcke dienten uns als Baum und Mast. Das war keine einfache Sache, den Masten zum Stehen zu bringen. Die Gummibänder hielten ihn unten und die Kordeln oben. Jetzt war unser Segelboot startklar, aber man konnte nicht lenken und fahren. Es fehlte noch der Kiel. Leider konnten wir das Problem nicht mehr lösen, denn wir wollten noch an Land fahren.
Zuvor ankerten wir nochmal innerhalb der Bucht um. Die Flottille mit mehreren englischen Booten, umzingelte uns. Das war Papa zu viel.
Auf unserem Landgang kauften wir uns in einem Minimarket ein Eis. Sein Sortiment war wirklich mini, es gab von jedem Lebensmittel kaum mehr als ein Stück. Wir spazierten noch ein paar Meter an der Strandprominade entlang. Da kam auch schon der nächste Laden. Das Obst und Gemüse sah hier frisch aus, deshalb kauften wir für die nächsten Tage ein. Es war Sonntag Abend, ein kleiner Ort mit ein paar Häusern, aber zwei Geschäfte hatten auf. Man kann wirklich nicht sagen, die Griechen würden nicht arbeiten. Außerdem sind sie immer erstaunlich freundlich zu uns Deutschen. „Germany is good!“ , haben wir schon oft gehört.
Im Mondschein mit Stirnlampe fuhren wir zurück zur Mona Liesa. Ich war hundemüde, aber Papa schlief noch vor mir ein. (Vielleicht lag es an meiner Erklärung für mein selbsterfundenes Spiel.)

Sonntag, 28. Juni 2015

Nur was für hardcore Segler!

Unser Nachbarschiff aus Austria!
Wie gewohnt frühstückten wir um 9:30 Uhr. Danach machten wir uns zum Ablegen klar. Mama fuhr mit dem Beiboot an Land, entknotete die Landleinen und ich zog sie an Bord. Den Anker durfte ich auch lichten. Die Ankerwinsch war etwas schwächer wie sonst, weil die Batterien durch das ewige buchteln schon weniger Energie hatten (Papa hatte anfangs den Motor nur im Standgas).
Bei der Hafenausfahrt!
Ich steuerte zum ersten Mal unter 4,9 Knoten aus der Bucht, während Papa und Mama die Fender und Leinen aufräumten. Als wir auf dem offenen Meer waren, spürten wir sofort die riesigen Wellen, die durch den Sturm von gestern entstanden waren. Immer wenn eine Welle unserer Boot nach oben hob, wanderten wir um 30 Grad aus. Der Wind kam genau aus der Richtung, in die wir wollten. Wir setzen die Segel und nahmen den Umweg in Kauf, denn auf diesem Kurs wären wir alle seekrank geworden. Die Geschwindigkeit zum Ziel betrug auf diesem Kurs 2,5 Knoten. Eigentlich wollten wir nicht aufs Navi schauen, wie lange wir so bis zum Ziel brauchten. Der Wind blies uns mit 25 Knoten entgegen, die Wellen spritzten das gesamte Vorschiff nass und auch die Genua. Es war abenteuerlich.
Mittagessen gab es wieder mal in die Hand. Mama holte ein paar Stücke Melone und eine Packung Seranoschinken aus dem Kühlschrank. Dazu aßen wir noch Olivenkringel.
Als wir dem Festland näher kamen, drehte der Wind kurzzeitig und beruhigte die Wellen etwas. Doch lange hielt es nicht an. Auf einmal kam der Wind aus der angesagten Richtung mit guten 20-25 Knoten, die Wellen waren zurück, jetzt von hinten. Toni machte das alles nichts aus, denn sie hörte stundenlang Geschichten und Lieder auf ihrem IPod. Ich legte mich immer wieder hin, beoabachtete die Wellen und schaute mir die Küste an. Dieses Segelwetter machte mich richtig müde.
Hinter dem großen Segler sieht unsere Mona Liesa klein aus.
Um 17 Uhr erreichten wir schließlich die Hafeneinfahrt. Papa nahm Kontakt mit der Marina Cleopatra  über Funkt Kanal 12 auf. Wir sollten vor der Tankstelle warten, bis wir eingewiesen wurden. Das Anlegemanöver war mit diesem Seitenwind äußerst schwierig. Mama ließ die Heckleine ins Wasser plumpsen, weil das Heck einige Meter vom Steg entfernt war. Also machten wir die Leinen erneut klar und fuhren ein zweites Mal an. Der Hafenarbeiter und die Crew vom Schiff vor uns zogen wie verrückt an den Leinen, um uns festzumachen.
Toni und ich verließen sofort das Schiff, wir hatten uns den ganzen Tag nicht bewegen können. Mama kam hinterher, weil der Hafenmitarbeiter sagte: „Look after your children!“ Er hatte Angst um uns. Gemeinsam erkundeten wir die Marina. Auf dem kleinen Spielplatz gab es Schaukeln und Plastikhäuser, die mir nur bis zur Brust reichten. Wir suchten die Toiletten, dann kam uns Papa entgegen. Er musste ins Hafenbüro, uns anmelden und die Liegegebühr bezahlen. Wir begleiteten ihn, während Mama zum Schiff zurück ging, um Abendessen zu kochen. Alle hatten einen Riesenhunger.
Der Topf mit Kartoffelgulasch war schnell leergegessen, allerdings war es schon zu spät noch in die Stadt aufzubrechen. So beschlossen wir einen Spaziergang rund ums Hafengelände zu machen. Dabei fanden Toni und ich heraus, wie man Stöcke auf dem Teer spitzen kann.
Heute Abend löste Papa endlich sein Versprechen ein. Toni und ich durften auf dem Lapetop einen Film ansehen. Unsere Wahl fiel auf „Das kleine Gespenst“.

Samstag, 27. Juni 2015

Pause in Gaios



Es war eine herrlich gemütliche Nacht. Nachdem Papa 40 Cent und ein Alustück im Mototraum verbaut hatte, war das Knarren verschwunden. Außerdem lagen wir in der Bucht gut vor den Wellen geschützt. Wir beschlossen noch einen weiteren Tag hier zu verbringen.
Nach dem Frühstück sprangen wir zum ersten Mal ins Wasser. Es war schön klar und Mama entdeckte in der Nähe unserer Landleine eine große Fächermuschel. Leider konnte Papa den Unterwasserfotoapparat nicht finden.
Nach der Abkühlung war ich bereit für Mathe. Unsere Bordkasse musste wieder einmal auf den neuesten Stand gebracht werden. So addierte ich alle Ausgaben und errechnete unseren durchschnittlichen Tagesverbrauch. Er ist leicht gesunken, das liegt wohl daran, dass wir in Griechenland weniger Liegegebühren zahlen. Toni arbeitete ebenfalls in ihrem Vorschulheft und tat so, als wäre sie schon ein Schulkind.
Gegen 12 Uhr fuhren Mama, Toni und ich mit dem Beiboot an Land. Unser Kühlschrank musste dringend aufgefüllt werden. Wir gingen an den zahlreichen Fischerbooten vorbei. Jedes sah anders aus, so schön bunt. Im Butcher Shop kauften wir ein Stück Fleisch. Auf dem Schild war eine Kuh abgebildet, das musste also Rindfleisch sein. Danach brauchten wir Obst und Gemüse, Joghurt, Schafskäse, Reis … Gerade mal so viel, wie in Mamas Rucksack und Tragetasche passte. Es war ein ganzes Stück Fußweg bis zum Dinghi. Ich nahm Mama die Tragetasche ab, weil sie doch so Rückenschmerzen hatte.
Während Mama das Mittagessen vorbereitete, übte ich noch in Deutsch. Mit den Satzgliedern kenne ich mich jetzt gut aus. Mama und ich machten noch ein lustiges Spiel dazu. Jeder schrieb ein Satzglied auf, knickte das Blatt um und gab es weiter. So entstanden lustige Unsinnsätze.
Nach dem Schwimmen (Toni traut sich mittlerweile mit ihrer Schwimmnudel ein ganzes Stück von Mama weg), erkundeten wir das Waldstück hinter unserem Schiff. Auf dem Weg zur Stadt hatten wir nämlich einen Weg entdeckt. Natürlich wollten Toni und ich wissen, wo der hinführt. Als erstes entdeckten wir eine kleine Kapelle, die aber leider verschlossen war. Also stiegen wir weiter den Berg nach oben. Was da alles herumlag: alte Schuhe, eine Kassette, Plastikflaschen. Papa vermutete, dass Stürme im Winter hier den Müll anschwemmten. Die Wellen wären dann richtig hoch. Kaum vorstellbar. Der Trampelpfad führte uns weiter zu einer Ruine, wahrscheinlich eine alte Burgfestung. Es sah so aus, als wäre es früher eine Touristenattraktion gewesen. Mülltonnen und morsche Bänke standen noch herum. Wir folgten noch eine Weile dem Weg und kamen am gegenüberliegenden Ufer des Ortskerns heraus. Da stand ein Schild: Betreten des Forts nicht erlaubt! Leider zu spät.
Die Zeit bis zum Abendessen verbrachten wir noch mit Baden und Monopoly spielen. Als wir beim Essen saßen, legte ein Schiff, komplett aus Holz neben uns an. Toni war ganz begeistert und fotographierte es sofort. Es waren Österreicher, deshalb spielten wir ihnen zur Begrüßung STS vor.

Donnerstag, 25. Juni 2015

Aufwiedersehen Lakka!

Es war wie zur Zeit fast jede Nacht wackelig und fürchterliches Geknacke. Papa schlief an Deck, um immer mal wieder einen Blick auf die umliegenden Schiffe zu haben. Mama zog um 4:30 Uhr auf die Couch um, weil sie trotz Ohrstöpsel nicht schlafen konnte. Papa muss sich unbedingt etwas einfallen lassen, damit der Lärm an Bord aufhört, sonst werden wir noch alle gaga!
Zum Frühstück holte Papa im Ort frisches Brot und suchte nach einem ruhigeren Plätzchen in der Bucht, denn eigentlich wollten wir noch gerne einen Tag hier bleiben. Im Reiseführer war eine Wanderung zum Leuchtturm beschrieben, die wir machen wollten. Papa wäre gerne tauchen gegangen, er hatte gestern Abend schon mit dem Tauchlehrer gesprochen. Aber auch tiefer in der Bucht schwankten die Yachten, die Welle kam einfach aus der falschen Richtung. So beschlossen wir, nochmal ins Wasser zu springen und uns dann von der traumhaft türkisen Bucht zu verabschieden. Vielleicht kommen wir auf dem Rückweg nach Kroatien noch mal hierher. 
Wir starteten den Motor um 11 Uhr und fuhren an Paxos entlang zur übernächsten Bucht. Nach einer Stunde erreichten wir Gaios. Der größte Ort auf der Insel liegt in einer sehr geschützten Bucht. Man fährt wie in einem Kanal Richtung Ortskern. Obwohl es sehr schön aussieht, entschieden wir uns in der Einfahrt zu ankern, damit wir noch schwimmen können. Das Ankermanöver war äußerst kompliziert. Zweimal kamen wir zu nahe an Land, erst der dritte Versuch brachte den Erfolg. Mama und ich befestigten die Schwimmleinen an Land. Als ich mich durch das Gestrüpp zu einem Baum vorarbeitete, zerkratzte ich mir den halben Rücken. Papa lobte mich, fürs erste Mal klappte es recht gut. Den Crews neben uns erging es auch nicht besser. Die meisten brauchten auch zwei bis drei Anläufe. Unserer deutschen Nachbarn waren furchtbar stolz, dass sie ihr Anlegemanöver beim ersten Mal klappte. Dafür mussten sie nach der ersten Böe zwei Stunden lang nachbessern. Sie luden ihren Anker aufs Beiboot und versuchten ihn weiter entfernt ins Wasser zu lassen, anstatt das Manöver zu wiederholen. Soviel Überheblichkeit tut selten gut.
Meine Schwester und ich arbeiteten für die Schule, während Mama mit Gymnastik versuchte ihren Rücken wieder einzurenken. Papa hat sich seinen Finger verletzt, wahrscheinlich eine geplatzte Ader. Jetzt ist er dick und blau. Dafür darf er ihn nun mit kalten Bierdosen kühlen. Toni ist ausnahmsweise heute noch nicht gestürzt. Vielleicht liegt es an der Wette, die sie mit Mama abgeschlossen hat.
Nach der Arbeit gab es Mittagessen. Fast schon traditionell: Greek Salat und Brot. Wir halfen Mama beim Abtrocknen. Danach verdienten wir uns eine Abkühlung. Mit den Landleinen hatten wir uns einen kleinen eigenen Bereich hinter der Mona Liesa abgespannt. Wir nannten ihn unseren Pool.
Bevor wir den Ort besichtigten, bekam ich von Papa eine Einweisung in den richtigen Umgang mit dem Beiboot und Außenbordmotor. Nachdem der Motor warm war, durfte ich eine Runde Vollgas geben. Papa sorgte für den richtigen Gewichtstrimm im Boot.
Hier gab es wie schon in den anderen Orten auch eine Taverne neben der anderen, ein paar Klamottengeschäfte und Eisdielen. Jeder suchte sich eine Kugel Eis aus. 6€ kostete das Vergnügen. Für dieses Geld bekam man in Süditalien zwei riesige Kugeln Eis.
Als unsrer Bootsnachbarn ausgeflogen waren, holte Papa das Notstromaggregat heraus. Es hörte sich wie ein Rasenmäher an und stank wie der Teufel. Es ist wirklich nur für Notfälle geeignet.  
Bevor wir schlafen gingen, befestigte Papa noch eine Rattenfalle an den Landleinen (aufgeschnittene Plastikflaschen). Er hatte im Rod Heikel gelesen, dass nachts gerne Ratten an Bord kommen. Heute verschlossen wir unser Schiff mit dem Steckschot, um sicher zu gehen, dass keine Gäste ungewollt das Schiff betraten.

Lakka fast kitschig türkis



Eigentlich hätte es eine ruhige Nacht werden können. Es gab keine Wellen in der Bucht und kaum Wind. Trotzdem konnte ich nicht schlafen, weil eine handvoll Mücken in meiner Koje waren. Gegen die Stiche haben wir ja ein Mückenmittel dabei, aber das blöde Summen, kann man einfach nicht abstellen, außer man erwischt dieses Mistvieh. Die Jagd war nicht besonders erfolgreich, deshalb zog ich in Papas und Mamas Kabine um, da war es besser. Zwei Mücken hatten sich trotzdem irgendwo verkrochen, aber um Mitternacht hatte ich sie erwischt, ein an der Wand, die andere im Flug.
Papa und Mama waren wie immer schon früher wach und nutzen die Zeit, um eine Runde schwimmen zu gehen. Danach bereitete Mama das Frühstück vor. Das Klappern der Tassen und Teller weckten mich. Ich kam an Deck, die Sonne strahlte mir schon ins Gesicht. Ich dieses Wetter, das ist wirklich Sommer, wenn du morgens schon in der Badehose im Freien Frühstücken kann.
Gegen 10 Uhr entdeckte Papa den Tankwagen auf der Mole in der gegenüberliegenden Bucht. Wir brauchten dringend Diesel und Wasser. Wir bereiteten alles für ein seitliches Anlegemanöver vor: Fender, Leinen vorne und hinten und den Kugelfender lose für einen flexiblen Einsatz. Wir tankten für 150€ Diesel, dafür bekamen wir 114 Liter. Mama entdeckte eine Wassersäule am Steg. Der Tankwart rief den Hafenmeister Vassili an, um uns noch mit Wasser zu versorgen. Vassili sprach super Deutsch, weil er im Winter in Flensburg und im Sommer in Griechenland lebt. Ich würde es anders herum machen. Ein Winter in Flensburg ist bestimmt kalt und Schnee gibt es auch nicht. Während Papa auf Vassili wartete spazierten wir am Kai entlang Richtung Ortschaft. Ich entdeckte in einem Müllhafen eine kaputte Malerrolle, die konnte ich als Steinhammer gut gebrauchen. Das Örtchen war nicht besonders hübsch, also wir hatten beim Monopolyspiel nichts verpasst.
Jetzt war es uns fürchterlich heiß, deshalb schmissen wir den Anker in der nächsten Badebucht. Mama und ich schwammen bis zum Strand, der Meeresboden war über und über mit Seeanemonen bedeckt. Die leuchteten so schön gelb, wie auf Fotos vom great barier Riff.
Kurze Zeit später lichteten wir den Anker und fuhren los in Richtung Parga. Aber nach einer halben Stunde änderte Papa den Kurs auf Paxos, weil die Windprognose sich ungünstig verändert hatte.
Während der Überfahrt hatte Unterricht in Deutsch und Mathe. Wir wiederholten die Satzbausteine und übten das Fragen nach Satzgliedern. In Mathe musste ich noch die Geoseite von gestern fertigmachen. Toni arbeitete auch fleißig in ihrem Vorschulheft. Nur der Papa lag faul auf dem Beiboot – nein er hielt natürlich Ausguck!
Zum Mittagessen gab es Nudelsalat, den hatte Mama schon gestern Abend vorbereitet. Kurz darauf kamen wir in Lakka auf Paxos an. Schon von weitem leuchtete uns die Bucht in wunderschönem Türkis entgegen. Du kannst dir nicht vorstellen, wie viele Schiffe schon vor uns da waren – knapp 100! Die Bucht war übervoll, die Abstände zwischen den Booten verdammt eng. Trotzdem kamen nach uns noch zahlreiche andere Schiffe an, die sich waghalsig dazwischenquetschten.
Papa, Toni und ich testeten sofort die Wasserqualität. Wahnsinnig klar, fast kitschig türkis. Den Nachmittag verbrachten wir mit bloggen, lesen und schwimmen mit gleichzeitiger Unterwasserschiffreinigung. Der Rumpf der Mona Liesa ist von Zottelalgen bewachsen. Vassili hat Papa beauftragt, das grausame Gewächs zu entfernen. Das wird einige Wochen in Anspruch nehmen. Pro Tauchgang schafft Papa maximal 10cm x 10 cm, d.h. es wird 400 Tauchgänge dauern. Vielleicht helfe ich ihm dabei, je nach dem was er zahlt.
Gegen 17 Uhr tuckerten wir mit unserem Dinghi zur Ortschaft. Wir hatten Glück, dass ein Beiboot gerade losfuhr und einen Parkplatz für uns freimachte. Ein Restaurant neben dem anderen reihte sich entlang der Hafenmole. Aber Supermärkte und Obsthändler gab es genügend. Wir erledigten unsere Einkäufe und schlenderten noch eine Weile durch den Ort. Eine Taverne gefiel uns besonders, weil sie einen netten Garten hatte. Da wollten wir abends hin.
Wir brachten unsere Lebensmittel an Bord, gingen noch einmal schwimmen und machten uns ausgehfertig. Es war schon viel Leben in der Stadt, als wir um 19:30 Uhr an Land gingen. Auch die Taverne war schon gut gefüllt, doch wir bekamen noch ein nettes Plätzchen umringt von Engländern. Ich bestellte mir Pork Stifado (eine Art Gulasch mit Spaghetti), Mama aß eine Moussaka (typisch griechischer Auflauf aus Kartoffeln, Auberginen und Hackfleisch) und Papa teilte sich mit Antonia ein gegrilltes Rinderfilet mit Kartoffelchips. Als Nachspeise gabs noch türkischen Kaffee für Papa und Schokosouflè für alle. Danach fuhren wir satt und zufrieden zurück zur Mona Liesa.
Da waren sie wieder die Wellen und das Geknarrtze. Papa hat für Morgen den Auftrag, das abzustellen.