Donnerstag, 13. August 2015

Winzlinge in Dürres



Mama und Papa standen schon um 5 Uhr auf, denn heute lag der weiteste Streckenabschnitt vor uns. Von Vlore nach Dürres waren es circa 60 Seemeilen, bei einer Bootsgeschwindigkeit von 5 Knoten mit Motor also 12 Stunden Fahrtzeit. Die WetterApp sagte leichten Wind aus Süden und kaum Welle an, d.h. es könnte auch schneller gehen. Der Wind würde uns anschieben und keine Welle gegen uns stehen.
Um kurz nach 5 Uhr startete Papa den Motor und Mama löste die Mooring und Heckleinen, während Toni und ich friedlich weiterschliefen. Zunächst fuhren sie 1,5 Stunden aus der Bucht Richtung offenes Meer, danach ging es an der Küste Albaniens entlang bis zum Industriehafen Dürres. Dürres war ein beliebter albanischer Ferienort, einen Yachthafen gab es dort aber nicht.
Ein leichter Wind von 5-6 Knoten von hinten schob uns zusätzlich an, so dass wir eine Geschwindigkeit von 5,7 Knoten erreichten. An Kap frischte der Wind kurzzeitig auf und Papa zog die Genua heraus.
Mama nutzte die ruhige See und machte auf dem Vorschiff ihre Rückengymnastik. An der glatten Meeresoberfläche begann sich etwas zu bewegen. Langsam kamen Flossen zum Vorschein. Es waren gut gelaunte Delfine, sie sprangen wie bei einer Show kerzengerade in die Luft zwei oder drei Mal. Natürlich lag wieder kein Fotoapparat bereit! Leider schliefen Toni und ich zu der Zeit noch tief und fest.
Erst gegen 8 Uhr standen wir beide auf. Unsere Eltern hatten schon Frühstückshunger (kein Wunder). Mama machte für uns alle Marmeladen– und Wurstbrote. Dazu gab es Tee und Kaffee. Es ist einfacher, wenn man während der Fahrt nur seinen Teller und seine Tasche festhalten muss.
Nun war es 9 Uhr und wir hatten noch mindestens 6 bis 7 Stunden vor uns. Um uns herum Meer und langweilige braune albanische Berge. Ein einziger Segler war weit und breit zu sehen. So vertrieben wir uns die Zeit mit lesen bzw. vorlesen, spielen, Englischlernprogramm auf dem IPad und bloggen.
Gegen 10 Uhr näherte sich von hinten ein sehr schnelles Motorboot. Die Küstenwache kam direkt auf uns zu, Papa verringert die Fahrtgeschwindigkeit, aber das Schiff drehte wieder ab und überholte uns. Wir winkten kurz und sie fuhren hupend vorbei. Eine halbe Meile entfernt verringerten sie ihre Geschwindigkeit und wir dachten schon, sie kontrollieren uns jetzt doch. Dem war aber nicht so, wahrscheinlich erhielten sie die Informationen über uns per Funk mit dem Hafenkapitän. Sonst passierte nichts weiter.
Mittags half Toni Mama wieder in der Küche beim Gemüseschälen und schneiden. Es gab Kartoffeln und Karotten aus dem Ofen mit Tsatsiki. Langsam nah der Wind aus Westen zu und stabilisierte sich. Nach dem Verdauungskaffee von Mama und Papa setzten wir die Segel und schalteten den Motor aus. Wie herrlich, da merkte ich erst, wie laut der Motor doch war.
Hurra, wir schnitten mit guten 6 Knoten durchs Wasser. Das verringerte unsere Fahrtzeit um mindestens eine Stunde. Papa machte den Blister klar, denn der Wind war perfekt dafür. Beim Setzen durfte ich das Steuer übernehmen, Papa zog den Bergeschlauch nach oben und Mama holte dicht. Als ich wieder auf Kurs ging, spürte ich den starken Druck im Segel. Es ist nicht leicht mit Blister zu fahren, man muss sehr genau steuern. Aber es erhöhte unsere Geschwindigkeit erneut: 7 Knoten! Wir waren bereits eine Stunde mit Blister unterwegs, als der Wind immer stärker und böiger wurde. Die Bergeleine, die Papa nur leicht an der Reeling befestigt hatte, löste sich und hing ins Wasser. Mama musste mit Schwimmweste nach vorne, um die Leine und den Blister zu bergen. Das war nicht gerade ungefährlich und dazu laut, aber sie erwischte die Leine und packte den Blister weg. Dann setzten wir wieder die Genua und zischten ebenfalls mit 7 Knoten Richtung Ziel.
Gegen 16 Uhr erreichten wir die Hafeneinfahrt von Durres. Hier lagen schon einige große Frachter vor Anker und warteten auf ihre Einweisung. Papa telefonierte mit dem Agenten, der uns einen Platz an der Hafenmauer zuwies. Dort lag bereits eine Segelyacht, daneben wurden gerade Kontainer mit einem riesigen Kran von einem Frachtschiff gehoben. Das seitliche Anlegen war bei dem Seitenwind und den weit voneinander entfernten Poller nicht ganz so einfach. Die Kaimauer war so hoch, dass wir nach oben klettern mussten. Unser Schiff kam uns in dieser Umgebung der Giganten wie ein Winzling vor.
Der Agent kam zu uns aufs Schiff und erledigte die Formalitäten mit Papa, da Ausreisebestätigung wollte er später vorbeibringen. Er zeigte uns auf einen Stadtplan die wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Amphitheater, Archäologisches Museum, Moschee, Stadtplatz usw. Wir duschten kurz und marschierten dann los. Der Hafen lag mitten im Stadtzentrum, so dass wir alles zu Fuß leicht erreichen konnten. Wir gingen zunächst an der alten Stadtmauer entlang und kamen zum Amphitheater. Es war komplett umbaut von Häusern, eines stand sogar mitten im Gelände. Die unterirdischen Gänge waren noch gut erhalten, die Sitzreihen dagegen konnte man nur noch erahnen. Trotzdem stand im Zentrum eine kleine Bühne, auf der gerade eine Theaterprobe stattfand. Danach kamen wir auf die Haupteinkaufsstraße, an deren Ende ein großer Platz mit Springbrunnenanlage war. Daneben, leicht erhöht war die Moschee erbaut. Leider konnten wir nur durch die Fenster ins Innere blicken. Sie war sehr einfach, ohne viel Schmuck. Zum archäologischen Museum schafften wir es aus Zeitgründen nicht mehr. So spazierten wir Richtung Strandpromenade, um uns ein Restaurant zu suchen. Papa fragte noch einmal bei unserem Agenten nach, welches Restaurant empfehlenswert ist. Keines entsprach wirklich unseren Vorstellungen, alles sehr sehr einfach und schmuddelig. Im Rimini aßen wir dann Pizza, Gnocchi, Salat und Nachspeise. Mit Getränken und Kaffee bezahlten wir 18€ - unglaublich billig. Während wir saßen füllte sich um uns herum das Lokal und als wir bezahlten warteten schon andere Gäste auf unseren Platz. Die Promenade war jetzt brechend voll. Wir bekamen trotz Nachspeise noch ein Eis, denn die restlichen Leuka mussten weg. Auf dem Rückweg zum Hafen, die Promenade hatte sich in ein wahres Volksfest verwandelt, durften wir noch auf einer Luftburg rutschen. Ein Straßenkünstler malte mit Spraydosen in Windeseile ein Weltallbild. Ich investierte 10 € von meinem Taschengeld und kaufte es ihm ab. Gegen 22 Uhr erreichten wir das Schiff, dann gingen wir gleich ins Bett.  





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