Mama und
Papa standen schon um 5 Uhr auf, denn heute lag der weiteste Streckenabschnitt vor
uns. Von Vlore nach Dürres waren es circa 60 Seemeilen, bei einer
Bootsgeschwindigkeit von 5 Knoten mit Motor also 12 Stunden Fahrtzeit. Die
WetterApp sagte leichten Wind aus Süden und kaum Welle an, d.h. es könnte auch
schneller gehen. Der Wind würde uns anschieben und keine Welle gegen uns
stehen.
Um kurz
nach 5 Uhr startete Papa den Motor und Mama löste die Mooring und Heckleinen,
während Toni und ich friedlich weiterschliefen. Zunächst fuhren sie 1,5 Stunden
aus der Bucht Richtung offenes Meer, danach ging es an der Küste Albaniens
entlang bis zum Industriehafen Dürres. Dürres war ein beliebter albanischer
Ferienort, einen Yachthafen gab es dort aber nicht.
Ein leichter
Wind von 5-6 Knoten von hinten schob uns zusätzlich an, so dass wir eine
Geschwindigkeit von 5,7 Knoten erreichten. An Kap frischte der Wind kurzzeitig auf
und Papa zog die Genua heraus.
Mama nutzte
die ruhige See und machte auf dem Vorschiff ihre Rückengymnastik. An der
glatten Meeresoberfläche begann sich etwas zu bewegen. Langsam kamen Flossen
zum Vorschein. Es waren gut gelaunte Delfine, sie sprangen wie bei einer Show
kerzengerade in die Luft zwei oder drei Mal. Natürlich lag wieder kein
Fotoapparat bereit! Leider schliefen Toni und ich zu der Zeit noch tief und
fest.
Erst gegen
8 Uhr standen wir beide auf. Unsere Eltern hatten schon Frühstückshunger (kein
Wunder). Mama machte für uns alle Marmeladen– und Wurstbrote. Dazu gab es Tee
und Kaffee. Es ist einfacher, wenn man während der Fahrt nur seinen Teller und
seine Tasche festhalten muss.
Nun war es
9 Uhr und wir hatten noch mindestens 6 bis 7 Stunden vor uns. Um uns herum Meer
und langweilige braune albanische Berge. Ein einziger Segler war weit und breit
zu sehen. So vertrieben wir uns die Zeit mit lesen bzw. vorlesen, spielen,
Englischlernprogramm auf dem IPad und bloggen.
Gegen 10
Uhr näherte sich von hinten ein sehr schnelles Motorboot. Die Küstenwache kam
direkt auf uns zu, Papa verringert die Fahrtgeschwindigkeit, aber das Schiff
drehte wieder ab und überholte uns. Wir winkten kurz und sie fuhren hupend vorbei.
Eine halbe Meile entfernt verringerten sie ihre Geschwindigkeit und wir dachten
schon, sie kontrollieren uns jetzt doch. Dem war aber nicht so, wahrscheinlich
erhielten sie die Informationen über uns per Funk mit dem Hafenkapitän. Sonst
passierte nichts weiter.
Mittags
half Toni Mama wieder in der Küche beim Gemüseschälen und schneiden. Es gab
Kartoffeln und Karotten aus dem Ofen mit Tsatsiki. Langsam nah der Wind aus Westen
zu und stabilisierte sich. Nach dem Verdauungskaffee von Mama und Papa setzten
wir die Segel und schalteten den Motor aus. Wie herrlich, da merkte ich erst,
wie laut der Motor doch war.
Hurra, wir
schnitten mit guten 6 Knoten durchs Wasser. Das verringerte unsere Fahrtzeit um
mindestens eine Stunde. Papa machte den Blister klar, denn der Wind war perfekt
dafür. Beim Setzen durfte ich das Steuer übernehmen, Papa zog den Bergeschlauch
nach oben und Mama holte dicht. Als ich wieder auf Kurs ging, spürte ich den
starken Druck im Segel. Es ist nicht leicht mit Blister zu fahren, man muss
sehr genau steuern. Aber es erhöhte unsere Geschwindigkeit erneut: 7 Knoten! Wir
waren bereits eine Stunde mit Blister unterwegs, als der Wind immer stärker und
böiger wurde. Die Bergeleine, die Papa nur leicht an der Reeling befestigt
hatte, löste sich und hing ins Wasser. Mama musste mit Schwimmweste nach vorne,
um die Leine und den Blister zu bergen. Das war nicht gerade ungefährlich und
dazu laut, aber sie erwischte die Leine und packte den Blister weg. Dann
setzten wir wieder die Genua und zischten ebenfalls mit 7 Knoten Richtung Ziel.
Gegen 16
Uhr erreichten wir die Hafeneinfahrt von Durres. Hier lagen schon einige große
Frachter vor Anker und warteten auf ihre Einweisung. Papa telefonierte mit dem
Agenten, der uns einen Platz an der Hafenmauer zuwies. Dort lag bereits eine Segelyacht,
daneben wurden gerade Kontainer mit einem riesigen Kran von einem Frachtschiff
gehoben. Das seitliche Anlegen war bei dem Seitenwind und den weit voneinander
entfernten Poller nicht ganz so einfach. Die Kaimauer war so hoch, dass wir
nach oben klettern mussten. Unser Schiff kam uns in dieser Umgebung der
Giganten wie ein Winzling vor.
Der Agent
kam zu uns aufs Schiff und erledigte die Formalitäten mit Papa, da
Ausreisebestätigung wollte er später vorbeibringen. Er zeigte uns auf einen
Stadtplan die wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Amphitheater, Archäologisches
Museum, Moschee, Stadtplatz usw. Wir duschten kurz und marschierten dann los.
Der Hafen lag mitten im Stadtzentrum, so dass wir alles zu Fuß leicht erreichen
konnten. Wir gingen zunächst an der alten Stadtmauer entlang und kamen zum
Amphitheater. Es war komplett umbaut von Häusern, eines stand sogar mitten im
Gelände. Die unterirdischen Gänge waren noch gut erhalten, die Sitzreihen
dagegen konnte man nur noch erahnen. Trotzdem stand im Zentrum eine kleine
Bühne, auf der gerade eine Theaterprobe stattfand. Danach kamen wir auf die Haupteinkaufsstraße,
an deren Ende ein großer Platz mit Springbrunnenanlage war. Daneben, leicht
erhöht war die Moschee erbaut. Leider konnten wir nur durch die Fenster ins
Innere blicken. Sie war sehr einfach, ohne viel Schmuck. Zum archäologischen
Museum schafften wir es aus Zeitgründen nicht mehr. So spazierten wir Richtung
Strandpromenade, um uns ein Restaurant zu suchen. Papa fragte noch einmal bei
unserem Agenten nach, welches Restaurant empfehlenswert ist. Keines entsprach
wirklich unseren Vorstellungen, alles sehr sehr einfach und schmuddelig. Im
Rimini aßen wir dann Pizza, Gnocchi, Salat und Nachspeise. Mit Getränken und
Kaffee bezahlten wir 18€ - unglaublich billig. Während wir saßen füllte sich um
uns herum das Lokal und als wir bezahlten warteten schon andere Gäste auf
unseren Platz. Die Promenade war jetzt brechend voll. Wir bekamen trotz
Nachspeise noch ein Eis, denn die restlichen Leuka mussten weg. Auf dem Rückweg
zum Hafen, die Promenade hatte sich in ein wahres Volksfest verwandelt, durften
wir noch auf einer Luftburg rutschen. Ein Straßenkünstler malte mit Spraydosen
in Windeseile ein Weltallbild. Ich investierte 10 € von meinem Taschengeld und
kaufte es ihm ab. Gegen 22 Uhr erreichten wir das Schiff, dann gingen wir
gleich ins Bett.
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