Samstag, 8. August 2015

Gewitter in Sivota



Mama fährt gegen 8:30 Uhr mit dem Beiboot an Land, um frisches Brot zu kaufen. Beim Losfahren verhedderte sie sich fast in der Landleine, weil der Motor nicht gleich ansprang und Papa ihr zuschrie, sie solle mehr Gas geben. Blitzschnell wendete sie um 180 Grad und brauste lachend davon.  Glücklicherweise kam sie wieder heil zurück.
Papa versuchte in der Zwischenzeit Frühstück zu machen. Erst hielt ihn Toni von der Arbeit ab, weil sie eine Guten-Morgen-Geschichte hören wollte, dann verwickelte ihn der norwegische Bootsnachbar in ein Gespräch. Schließlich kam Mama zurück, es war kein Tisch gedeckt und der Kaffee kochte über. Rollentausch bei Frankes war nicht gerade die beste Idee.
Nach dem Frühstück gingen wir kurz ins Wasser. Es waren heute ein paar Wolken am Himmel, da machte Schwimmen nicht ganz so viel Spaß. Außerdem wollte ich unbedingt wissen, wie es bei meiner Göttergeschichte weiterging. So verzog ich mich mit meinem Hörbuch in meine Kabine.
Mama und Toni erledigten den Abwasch und räumten das Schiff auf. Meine Kabine hätte das eigentlich auch dringend notwendig. Aber Aufräumen gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Papa wurde von den Norwegern zu einem Kaffee eingeladen. Sie tauschten die Telefonnummern aus, denn Papa erzählte ihnen, dass eines unserer Traumurlaubsziele die Hurtigrouten in Norwegen wären. Sie luden uns ein, sie zu besuchen.
Gegen 10:30 Uhr telefonierte Mama kurz mit Frau Rhöse, denn vor zwei Tagen erhielten wir einen Anruf vom Gymnasium Ergolding, dass mein Jahreszeugnis in der Schülerakte fehlte. Das stresste Mama ziemlich. Danach rief sich auch bei Herrn Wegmann an. Das machte die Sache nicht besser. Den interessiert weniger das Jahreszeugnis, vielmehr wollte er wissen, wie ich der Schulpflicht entkommen bin. Hoffentlich gibt das nicht noch Ärger.
Mit diesem Durcheinander wurde es heute Mittag, bis wir in Lakka ablegten. Wir fuhren wieder Richtung Festland, Sivota und Murtos. Im Zick-Zack-Kurs geht es langsam Richtung Albanien. Es war nur ein kurzer Schlag, ungefähr 12 Seemeilen. Die Wellen schaukelten uns hin und her. Papa hätte gerne das Großsegel zur Stabilisierung gesetzt, aber es war kaum Wind. So wackelten wir zwei Stunden lang unserem Ziel entgegen. Ich hörte weiter meine Geschichte, Mama las ihr lustiges Buch zur Ablenkung und Toni belaberte Papa, weil sie lieber mit einem Luxuskatamaran segeln würde. Mit diesem Thema quält sie uns schon den halben Urlaub – ich kann es nicht mehr hören!!!
Um 14:30 Uhr erreichten wir die Bucht zwischen dem Ferienort Sivota und der kleinen vorgelagerten Insel Murtos. Auf dem Weg in den Süden, waren wir schon einmal hier. Heute gab es zum Mittagessen Rühreier und Salat.
Kurz nach dem Essen zogen schwarze Gewitterwolken aus Norden über dem Festland auf.  Wir hörten schon den Donner und sahen, wie sich die Blitze an der Bergkuppe entluden. Starker Wind aus Norden brachte das Meer in der Bucht zum Schäumen. Die letzten Ausflugsboote flüchteten sich noch in den Hafen. Einige Nachbarschiffe schmissen vorsichtshalber ihren Motor ein, andere ankerten noch einmal neu. Es begann langsam zu tröpfeln, was schon etwas ein wenig Abkühlung brachte - nicht schlecht, denn es war ziemlich schwül. Papa und Toni legten sich vorne an Deck, um sich beregnen zu lassen. Allerdings nicht lange, denn dann fing es richtig an zu schütten. Chaos brach aus, vor uns, hinter uns und neben uns fuhren die Skipper wild umher, weil die Anker sich gelöst hatten. Papa gab noch die restliche Kette nach, aber wir schienen fest zu sein. Am coolsten war wohl der Brasilianer hinter uns, der Seife auspackte und sein Schiff einschäumte. Papa hatte keine Lust auf Putzen. Er überlegte an Land zu fahren, um Motoröl zu besorgen.
Doch nach einer Stunde, kam das Gewitter zurück. Es hatte eine Runde um den Berg gedreht und brachte erneut Wind. Allerdings nicht mehr ganz so heftig und ohne Regen. Wir beschlossen, an Bord zu bleiben und einen gemütlichen Abend zu verbringen. Wir hatten nicht das Gefühl etwas zu verpassen, wenn wir den Ort Sivota nicht besucht hatten.
Mama kochte leckeren Auberginenauflauf mit Couscous und wir spielten seit langem einmal wieder Siedler. Ich hatte auf die richtigen Felder gesetzt und noch dazu Würfelglück. Leider konnten wir nicht zu Ende spielen, weil es inzwischen sehr spät geworden war. Bei der Endabrechnung hatte ich 7 Siegespunkte, Papa 4 und Mama läppische 3. Ich wäre ohnehin nicht mehr zu stoppen gewesen.  

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