Um 4:30 Uhr
klingelte Papas Wecker zum ersten Mal. Doch um diese Uhrzeit war es noch
stockfinster, zu dunkel, um abzulegen. Als um 5 Uhr das nächste Mal „kling,
kling“ zu hören war, leuchtete über Korfu in der Ferne ein Gewitterblitz. Papa
stellte noch einmal den Weckruf auf 6 Uhr. Nun war es hell und das Gewitter
hatte sich auch verzogen. Mama löste mit dem Beiboot die Landleinen und liftete
den Anker. Papa startete den Motor und steuerte aus der Bucht Richtung
Albanien. Ich wurde kurz vom Brummen des Motors geweckt, erkundigte mich an
Deck, ob alles in Ordnung sei und legte mich dann zu meiner Schwester in die
Vorschiffskabine. Dort schliefen wir beide sanft geschaukelt bis 9:30 Uhr
weiter.
Mama und
Papa hatten in der Zwischenzeit bereits 17 Seemeilen zurückgelegt und die
Landesgrenze von Albanien überschritten. Papa zog die gelbe Flagge an Backbord,
man nennt sie auch Flagge Q (für Quarantäne). Man braucht sie zum Einlaufen in
den ersten Hafen und die albanische Flagge an Steuerbord, als Gastland. Mama
und Papa hatten bereits gefrühstückt, als wir beide aus unserer Kabine krochen.
Für uns schmierte Mama Frühstücksbrote und presste frischen Orangensaft. Diesen
Service gab es nur, wenn wir während der Fahrt essen mussten.
Obwohl wir
längst die Landesgrenze überschritten hatten, funktionierte unsere griechische
Internetverbindung weiterhin. Toni und ich durften zum Zeitvertreib logo und
Sendung mit der Maus auf dem IPad schauen, denn wir hatten noch 2 Gigabite Datenrate
übrig. Ich lud mir noch den nächsten Band von „Götter des Olymps“ auf meinen
Tolino. Lesen ist die beste Beschäftigung auf den langen Strecken, die nun vor
uns liegen. Bis Montenegro sind es circa 160 Seemeilen, die wir in drei Tagen
zurücklegen wollen.
Ich
vertiefte mich in mein neues Buch, denn die Landschaft um mich herum war nicht
besonders aufregend: Meer und kahle Berge. Toni und Mama spielten Halli Galli
und Chaos im Kinderzimmer. Papa telefonierte mit unserem albanischen Agenten,
den er im per Internet beauftragt hatte. Ein Agent übernimmt den Papierkram
beim Einklarieren und die Anmeldung in der Marina. So ist es geschrieben in
Albanien und dafür bezahlten wir 80 €. Wir steuerten zunächst den port of entry
(Vlore) an. Als wir das Kap erreichten, frischte der Wind auf, wir setzten die
Genua und segelten 6 Knoten zum Ziel. Es sah nach Gewitter aus. Schwarze Wolken
zogen über die Berge und türmten an der Küste auf. Papa bekam einen Anruf von
unserem Agenten. Wir durften wegen des starken Windes und des schlechten Wetters
sofort die Marina Orikum ansteuern. Das sparte uns mindestens eine Stunde Zeit.
Es war
bereits Mittag. Toni half Mama in der Küche beim Vorbereiten. Heute gab es gemischten
Salat mit Hähnchenbruststreifen. Mama kümmerte sich um das Fleisch und Toni
richtete den Salat auf den Tellern an. Stolz servierte sie ihr „selbstgemachtes“
Mittagessen und wurde von allen gelobt. Ich nahm mir vor, auch mal wieder in
der Küche zu helfen.
Gegen 14:30
Uhr nach Zeitumstellung und knapp 10 Stunden Fahrtzeit erreichten wir die
Marina. Der Hafenkapitän winkte schon von weitem und wies uns einen Liegeplatz
zu. Es gab genau einen Steg und die Hafenmauer. Orikum ist die einzigste Marina
in Albanien, sonst gibt es nur Industriehäfen. Hier ist Platz für 40 Schiffe,
ein paar italienische Yachten lagen bereits am Steg.
Kurz
nachdem wir fest gemacht hatten, kontrollierte der Hafenpolizist unsere Pässe. Mama
und Antonia gingen auf Entdeckungsreise: Toiletten, Supermarkt und Badestrand?
Das Marinagebäude hatte zwei Türme und sollte wie eine Burg aussehen. Einen
Supermarkt gab es nicht und die Damentoilette war zugesperrt. Dafür entdeckten
die beiden einen einsamen Strand direkt auf dem Gelände der Marina mit zwei
Liegestühlen und ein paar alten Sonnenschirmen. Papa wartete auf den Agenten
zur Einreise und Anmeldung in der Marina. Es dauerte eine ganze Weile. Ich blieb
bei Papa, doch dann wurde mir die Warterei auch zu langweilig und ich suchte
die beiden. Wir gingen gemeinsam zurück zum Schiff, packten die Badesachen
zusammen und wir aßen Melone, dann machten wir uns auf den Weg zum Strand.
Jetzt war auch Papa fertig. Der Strand erinnerte mich an Italien, heller Sand
und es ging ewig lang seicht ins Wasser. Wir erfrischten uns und spielten mit
Tonis Schwimmsessel. Anschließend spazierten wir gemeinsam am Strand entlang.
Es sah nicht nur aus wie in Italien (Strandbars und Liegestühle nebeneinander),
hier machten auch viele Italiener Urlaub. Wir kauften uns ein Eis, bezahlten
mit Euros und bekamen Leukas zurück. Mein Eis sah war angetaut und ausgelaufen,
aber der Verkäufer machte keine Anstalten mir ein anderes dafür zu geben. Erst
als Mama es vor seinen Augen in den Aschenbecher legte, gab es mir ein anderes.
Nach
unserem Spaziergang sprangen wir ein letztes Mal ins Wasser, dann gingen wir
zur Mona Liesa zurück. Es war Zeit zum Abendessen. Heute gab es Champignonomlette
mit Tomatensalat. Danach gönnten wir uns eine ausgiebige Süßwasserdusche in der
Marina. Das hatten wir lange nicht mehr. Die letzten Wochen duschten wir ausschließlich
auf unserer Heckdusche: einseifen – ins Wasser springen – mit Süßwasser
abduschen.
Schon während
des Abendessens und auf dem Weg zurück zum Schiff zerstachen uns die Mücken. So
schlimm war es die ganze Zeit nicht. Dummerweise waren das Autanspray und die
Räucherstäbchen fast aufgebraucht.
Heute waren
wir schon früh müde, das lag wohl an der Zeitumstellung. Außerdem ging hier
schon um 20:15 Uhr die Sonne unter. Ich schlief mit meiner Schwester in der
Vorschiffskabine, denn Mama und Papa wollten Morgen um 5 Uhr ablegen.
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