Um
Mitternacht drehte der Wind, nicht wie in der Wettervorhersage auf Nord-Ost,
sondern auf Süd-Ost. Die Wellen liefen genau in die Bucht hinein. Die Mona-Liesa
hatte sich Richtung Felsen gedreht und kam dem Land immer näher. Papa hatte
Bedenken, dass der Anker sich lösen könnte. Außerdem schaukelten wir
fürchterlich und es knarzte in den hinteren Kabinen. Um 1 Uhr nachts
entschieden Papa und Mama eine Nachtfahrt zu machen. Sie konnten ohnehin nicht
mehr schlafen.
Als Mama
den Anker liftete ging der Bug so heftig auf und ab, dass er fast ins Wasser
eintauchte. Mama war komplett nass, als der Anker im Kasten verstaut war. Als
Papa den Motor startete, wachte ich kurz aus meinem Tiefschlaf, drehte mich
aber lieber um und schlief weiter. Die Wellen schmissen unser Schiff nach links
und rechts. Der Wind blies mit bis zu 30 Knoten (Windstärke 7) direkt von
hinten. Auch mit Segeln wäre das Schiff nicht stabiler gefahren. Papa suchte
nach einer geeigneteren Bucht für den Rest der Nacht. Neun Seemeilen entfernt (circa Stunden) gab es eine Ankermöglichkeit, die bei dieser Windsituation Schutz
bot. Mit Schwimmwesten und Lifebelt gesichert kämpften sich Papa und Mama durch
die stürmische See. Gegen 3:30 Uhr erreichten meine Eltern die Bucht. In
sicherem Abstand von den anderen Schiffen ankerten sie. Es war bedeutend
ruhiger und der Anker hatte sich gut festgekrallt. So konnte auch Papa sich
beruhigt ins Bett legen und weiterschlafen.
Am Morgen
wachten wir in einem kleinen Fischerdorf auf. Die Menschen waren schon auf dem
Weg zum Strand, als wir zum ersten Mal ins Wasser sprangen. Unser geliebtes
Morgenritual wird uns zu Hause sicher fehlen. Nach einem ausgiebigen Frühstück im
Sonnenschein, ließen wir den Vormittag gemütlich angehen. Mama und Papa dösten
noch ein wenig in der Sonne.
Erst gegen
Mittag starteten wir los. Tivat, die preisgekrönte Luxusmarina in der Bucht von
Kotor war unser Tagesziel. Papa konnte glücklicherweise einen Platz für uns
reservieren. Die Bucht von Kotor geht sehr weit ins Landesinnere hinein und
gleicht mit seinen Steilküsten einem Fjord. Dort werden wir die letzten Tage
vor unserer Rückkehr nach Dubrovnik verbringen.
Die 15
Seemeilen bis Tivat segelten wir hart am Wind. Die rauen Wellen von Sturm der
Nacht hatten sich bereits geglättet. Mit mehr als 5 Knoten kamen wir gut voran.
Das Wenden beherrschen wir nun perfekt. Papa steuerte, Toni schmiss im
richtigen Moment die Leine los, ich zog mit aller Kraft die Genua auf den
andere Seite und Mama kurbelte, bis die Fäden richtig anlagen. Papa war
zufrieden mit unserer Arbeit. Auf dem Weg nach Tivat kamen wir an mehreren
Grotten vorbei. Einige größere Schiffe kamen uns entgegen oder überholten uns.
Es war einiges los auf See. In der Bucht von Kotor stiegen die Berge links und
rechts steil empor. Sie waren grün, nicht wie erwartet felsig. Links fuhren wir
an Herzig Novi, einer großen Stadt, vorbei. Dort müssen wir beim Verlassen des
Fjords ausklarieren. Rechts kam ein kleines hübsches Städtchen, Rose genannt,
das bei Künstlern sehr beliebt ist. Schon von weitem sah es dort sehr überfüllt
aus, deshalb machten wir nur aus der Ferne Fotos.
Etwa um 15
Uhr erreichten wir die Einfahrt zur Marina. Ein Mitarbeiter des Hafens begleitete
uns zu unserem Liegeplatz und half uns beim Anlegen. Hinter unserem Steg gab es
eine breite Straße mit einer Palmenallee. Ein Shuttleservice brachte Papa zur
Marinaoffice und wieder zurück. Wir packten in der Zwischenzeit unsere
Badesachen und freuten uns auf eine Abkühlung im Luxuspool der Mariana. Leider
wurde nichts aus unserem Nachmittag am Pool. Der Eintritt von 40€ pro Person
war uns dann doch zu teuer. Papa meinte: „Die Russen wollen wahrscheinlich
gerne unter sich bleiben.“
Stattdessen
genossen wir eine eiskalte Dusche. Es gab viele einzelne Bäder nebeneinander.
Jeder Raum hatte eine Dusche, eine Toilette und ein Waschbecken. Alles war hell
gefliest, sauber und klimatisiert. Anschließend machten wir uns auf den Weg in
das Zentrum. Wir schauten in die Auslagen der Nobelboutiquen, trauten uns aber
nicht hineingehen. Neben zahlreichen schiken Restaurants und Bars, gab es einen
Supermarkt. Hotels und Appartements mit privaten Pools und eine mediterrane
Bepflanzung ließen die Marina wie eine eigene Stadt wirken.
Wir
spazierten noch ein kleines Stück ins Stadtzentrum von Tivat. Dort trafen wir
wieder die amerikanischen Weltenbummler Jim und Kate. Mama und Papa
unterhielten sich eine Weile und wir bekamen einen Kugelschreiber mit ihrem
Schiffsnamen geschenkt. Danach machten wir uns auf den Rückweg.
Heute Abend
wollten wir in einer Sushi-Bar Essen gehen. Die Preise waren mit Deutschland
vergleichbar. Zuvor spritzten Toni und ich uns mit dem Wasserschlauch kalt ab
und schrubbten das Deck der Mona Liesa. Mama machte Schiffsputz und holte
unsere Roller aus dem Bunker im Vorschiff. Auf der Straße vor unserem Steg
düsten wir mit unseren Rollern auf und ab. Es tat so gut, ich powerte mich mal
wieder so richtig aus.
Gegen 19:30
Uhr rollerten wir los. Alle Tische waren reserviert, aber wir hatten Glück und
bekamen noch einen Platz, der erst später gebraucht wurde. Mittlerweile war es
dunkel, die Tische waren nur mit roten Windlichtern beleuchtet. Es sah sehr
romantisch aus. Wir bestellten uns als Vorspeise eine Portion Sushi für alle.
Toni und ich teilten uns japanische Frühlingsrollen, Mama bestellte sich asiatischen
Lachs mit Koriander und Zitronengras und Papa entschied sich für ein grünes
Curry. Es war alles hübsch angerichtet und schmeckte sehr gut. Allerdings hätten
die Portionen durchaus größer sein dürfen. Mit einer Nachspeise wir aber alle
satt.
Zur
Verdauung spazierten wir den Steg A entlang, an dem die Luxusliner angelegt
hatten. So riesige Schiffe hatte ich noch nie gesehen. Unser Haus erschien uns
winzig dagegen. Wieviel Geld müssen diese Menschen besitzen und wie sieht ihr
Zuhause aus, wenn sie ihren Urlaub in einem mehrstöckigen schwimmenden
Luxushotel verbringen? Unvorstellbar – doch wir waren uns einig, mit diesen
Leuten wollen wir nicht tauschen. Wir sind zufrieden mit unserem Leben.
| unser Steg in der Marina! |
| Bucht Biga - nach der stürmischen Nachtfahrt |
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